Freitag, 13. Oktober 2017

13. Oktober 1917


„Unter den größten Schwierigkeiten hatte am 13. Oktober frühmorgens II./124 Teile der Regimenter 85. 86. 188, 470 und 479 abgelöst und 5.40 Uhr vormittags die richtig erfolgte Ablösung gemeldet. Bereits 6.30 Uhr vormittags setzte der Gegner mit Trommelfeuer ein und überschüttete die eben im Gelände sich umsehenden Kompag-nien mit einem Hagel aller Kaliber. Gegen 7 Uhr vormittags, die englische Feuerwalze konnte genau verfolgt werden, folgten den letzten Lagen auf die Trichterstellung englische Massen zum Angriff, dieser erfolgte besonders stark an der Bahn Staden – Langemark. Lange Zeit war das Regiment im Ungewissen über die Lage, keine Meldung kam zurück. Die Fernsprechleitungen waren zerstört, die Meldehunde kannten ihre Wege noch nicht, hätten auch wahrscheinlich bei diesem Artilleriefeuer versagt. Die Engländer hätten sich keinen geschickteren Augenblick für einen Angriff wählen können. Endlich gegen 9 Uhr vormittags kam der Gefreite Reite, 7./124, von Langnau, der sich todesmutig durch das Artilleriefeuer hindurchgekämpft hatte und brachte die erste klare Meldung zurück von den Vorgängen vorn. Die 5., 6. und 7. Kompagnie hatten ihre Stellungen behauptet, vor 6./124 hatten sich einige Gegner im Trichterfeld festgesetzt, die 8./124 war zurückgeworfen, nähere Meldungen fehlten von ihr. Hierauf wurde sofort die 3./124 an der Bahn entlang nach vorn gezogen und zum Gegenstoß eingesetzt. Das III./124 wurde bei Vijfwegen bereitgestellt. 12.30 Uhr nachmittags meldete 8./124 den Verlauf des Kampfes. Kurz nach der Ablösung, mit rückwärtigen Teilen noch bei der Ablösung, wurde sie von dem Artilleriefeuer überrascht. Bald nachher erschienen in der linken Flanke und im Rücken Engländer. Es kam zum Nahkampf und die Kompagnie zog sich unter Verlusten durch Infanterie- und M.-G.-Feuer an der Bahn entlang zurück, um nicht völlig abgeschnitten zu werden. Der Gegner mußte durch eine Lücke zwischen dem linken Regimentsflügel und der 227. Inf.-Div. hindurchgekommen sein. Später stellte sich heraus, daß hauptsächlich die linke Nachbardivision angegriffen worden war und Richtung Schaap – Bali Boden verloren hatte, dadurch war das Erscheinen des Feindes im Rücken der 8./124 aufgeklärt. Bis Mittag hatte der Kompagnieführer noch 8 Mann bei sich, mit denen er weiter rückwärts den Bahndamm besetzt hatte. Der Gegenstoß der 3./124 war der Bahn entlang vorwärts gekommen, bis an ein von mehreren englischen M.-G. besetztes Bahnwärterhaus, hier war er stecken geblieben. Der Geländeverlust der 8./124 war nicht völlig ausgeglichen. So war zwischen linkem Flügel der 7. und der 3. am Bahndamm eine große Lücke. Diese wurde vorerst durch 1. und 4./124 ausgefüllt, um weiteren Überraschungen vorzubeugen. Die 4./124 mußte sich unter großen Schwierigkeiten. Das III./124 sollte mit dem linken Nachbar einheitlich am Nachmittag vorstoßen. Dieses Unternehmen kam gar nicht in Gang, da Inf.-Regt 470 infolge Kräftemangel nicht vorwärts kam und das III. Bataillon infolge englischen Flankenfeuers von links sein Vorgehen ebenfalls einstellen mußte. Da der Geländeverlust ein geringer und der linke Nachbar so erschöpft war, daß er seine Stellungen nur noch mit Mühe hielt, wurde höheren Orts befohlen, den linken Flügel so auszudehnen, daß das Broenbachtal beherrscht wurde, und zu versuchen, allmählich den Gegner aus der entstandenen Einbuchtung hinauszudrücken. Hierdurch kam zwar die Bahn in seine Hand, das Regiment hatte aber jetzt eine sehr große Front und zwar halb nach Süden, halb nach Südosten. Ihre Besetzung erforderte fast 2 Bataillone. In der Front hatte der Gegner den Wald nicht angegriffen, es lag sehr nahe, daß er eine ähnliche Taktik befolgen würde, wie damals am St. Pierre-Wald, das Angriffsziel durch Umfassung von beiden Seiten zu nehmen. Auf unserer Front bot die Bahn einen guten Anhalt, mit weiteren Angriffen gerade an dieser Stelle mußte gerechnet werden, damit lag das Regiment wieder an einem Brennpunkt der Stellung. Die 227. Inf.-Div. wurde am gleichen Tag von der 3. Marine-Div. abgelöst, der linke Flügel des Regiments blieb, wo er lag, am rechten Flügel wurden aber 2 Kompagnie-breiten an Inf.-Regt. 120 abgegeben. Der Tag hatte erhebliche Verluste gebracht, durch einen Volltreffer beim Stand des K.-T.-K.* waren allein 10 Mann gefallen, dabei Leut-nant d. R. Kramer und 5 Mann verwundet, im ganzen waren es 10 Tote, 79 Verwundete, dabei Leutnant d. R. Beutter und Bausch und 30 Vermißte, darunter Leutnant d. R. Weiger.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

*K.-T.-K.: Kampftruppen-Kommandeur

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