Mittwoch, 25. Oktober 2017

25. Oktober 1917


„Schon nach dem ersten Angriffstage war die italienische Front an zahlreichen Stellen zerschlagen. Als die rechte Kolonne des Gebirgs-Bataillons in der Frühe des 25. Oktober auf steilen Pfaden von Foni zur Höhe 1114 strebte, befand sich das Isonzotal überall in den Händen der Verbündeten. Flitsch war genommen und aus Karfeit quollen dicke Massen von vorgehenden Truppen. Um den schneebedeckten Krn hatte sich eine eiserne Klammer gelegt, der kein Italiener mehr entrinnen sollte. Der Gegner wankte unter dem ungeheuren Schlag; es galt nun, die errungenen Vorteile in rücksichtslosem Draufgehen weiter auszunützen.
Der Kampf ging um die zweite durchgehende Verteidigungsstellung der Italiener, die sich, mit der Front gegen das Isonzotal, wohl ausgebaut auf dem Höhenzug des Kolowratrückens von Höhe 1114 – Höhe 1110 – Höhe 1125 – Höhe 1185 zum beherr-schenden Monte Kuk, Höhe 1245, hinzog.
Das Leib-Regiment war am Abend des Angriffstages vor dem nördlichen Schulterpunkt dieser Stellung auf hartnäckigen Widerstand gestoßen, so daß an ein Vorwärtskommen zunächst nicht zu denken war. Die Leiber mußten sich sogar entschließen, das gleich-zeitig auf die Werke um Höhe 1114 angesetzte, weiter südlich kämpfende bayerische Jäger-Regiment Nr. 2 durch Angriff in südöstlicher Richtung zu entlasten.
Unterdessen stieg das Gebirgs-Bataillon zu Höhe 1114 an und war am 25. morgens 6 Uhr rechts vom Leib-Regiment aufgeschlossen. Die glänzend ausgebauten italienischen Stellungen, die bis zum Kuk mit allen Einzelheiten deutlich zu sehen waren, verhießen schwere Arbeit; sie schienen jedem Angriff Trotz bieten zu können.
Während Oberleutnant Rommel mit 2. und 3. Kompagnie und 1. Maschinengewehr-kompagnie am nördlichen Steilhang des Kolowratrückens gedeckt vorgeht, um gegen Monte Kuk aufzuklären, ist die Aufmerksamkeit des Gegners ganz auf den Kampf um Höhe 1114, auf den Angriff von Osten gerichtet. An eine Gefahr aus dem Isonzotal scheint er augenblicklich nicht zu denken. So kommt es, daß die vorfühlenden Streifab-teilungen des Oberleutnants Rommel überraschend und unbehelligt in die italienischen Werke zwischen Höhe 1185 und 1125 gelangen. Die Kompagnien rücken alsbald nach und der Italiener merkt den Feind erst, als er bereits an den schweren Geschützen steht. Im Handgemenge fällt Vizefeldwebel Kneile und Gefreiter Kiefner. Nun ist der gegnerische Widerstand aussichtslos, jede Regung dazu wird im Keim erstickt. Die Kukstellung ist durchbrochen. Das ganze Gebirgs-Bataillon und dichtauf das II. Bataillon des Leib-Regiments folgt alsbald auf dem weg des Oberleutnants Rommel, der bereits den Vormarsch gegen Ravna fortgesetzt hat. Die Verteidiger des Kuk, den Angriff von Norden erwartend, sehen jetzt den Gegner in ihrem Rücken auftauchen; 1000 Mann der Brigade Arno, die Gipfelbesatzung, ergeben sich dem kühnen Angreifer; der stolze, uneinnehmbar scheinende Kuk ist gefallen.
Aber den Schwaben genügt dieser Erfolg nicht. Auf der im Krieg gebauten prächtigen Höhenstraße gegen Ravna erfolgt sofort ein weiterer Vorstoß. Das Artilleriefeuer wird jetzt nach Luico, dem Eingang ins Savognatal, gelenkt, den der Feind seit 24 Stunden hartnäckig gegen die 12. preußische Infanteriedivision verteidigt. Als Schwaben und Bayern im Rücken der gegen Norden kämpfenden Italiener auftauchen, bricht in Luico eine fürchterliche Panik aus. In voller Auflösung sucht der Feind im Tal nach Savogna oder auf der Höhe gegen Monte Matajur zu fliehen. Was gegen Savogna flüchtet, wird von den Leuten der Abteilung Rommel bei der Weggabel von Polava abgefangen, was zur Höhe gegen den Matajur zu entkommen versucht, gerät in das Feuer der jetzt am Kuk aufgestellten Maschinengewehre. Die talwärts führende Straße ist übersät mit Kriegsmaterial; zusammengeschossene Batterien, Menschen, Pferde, Protzen und Geschütze liegen haufenweise beieinander. Die Hälfte der 4. Bersaglieri-Brigade mit Oberst, Oberstleutnant und 30 Offizieren, sowie unübersehbaren Mengen von Kriegs-beute aller Art fallen in die Hände der Sieger.“

aus: „Schwäbische Kunde aus dem großen Krieg“, 4. Buch, Stuttgart 1921



Bild und Skizze aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

Keine Kommentare:

Kommentar posten