Sonntag, 8. Oktober 2017

8. Oktober 1917


„Und es ging wirklich nach Italien. Über Straßburg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Ulm, München, Rosenheim, Bischofshofen, Selztal, St. Veit rollten die Transporte. Überall, besonders aber in Württemberg und Tirol, jubelnd begrüßt. In Maria Saal wurde ausgeladen und in Gegend Klagenfurt, der Hauptstadt von Kärnten, Unterkunft bezogen.
Während die Division in dieser Gegend verblieb, sollte die Artillerie sofort eingesetzt werden.
So marschierten wir in den ersten Oktobertagen über die Karawanken.
Die Märsche über den Seeberg- und Loiblpaß ließen an Schwierigkeiten nichts zu wünschen. Sie sollten, aus Gründen der Geheimhaltung, Nachtmärsche sein. Daraus wurde aber nichts, wenn man zu einer sogenannten Tagesleistung 28 Stunden brauchte. Zum Genuß der Gegend kam man wenig; es regnete nämlich in Strömen. Auch dieses hatte sein Gutes: die Luftaufklärung blieb dem Gegner verwehrt.
Aber alle Schwierigkeiten wurden überwunden. Unsere Fahrer brachten ihre Geschütze und Wagen überall hin!
Einen alten Feldzugsbekannten konnten wir bei Krainburg begrüßen, wenn auch in sehr veränderter Form, die Save, serbischen Angedenkens.
Es wurden jetzt aus den Fahrzeugen und Pferden verschiedene Staffeln gebildet. Eine, die im Savetal zurückblieb, eine, die dorthin vom Isonzo zurückkehrte und schließlich die nötigsten Pferde, die vorne blieben.
Wie es meist von der Truppe abgesprengten teilen zu gehen pflegt, hatte auch die zurückbleibende „Talstaffel“ unter allerlei Schwierigkeiten zu leiden. Die Unterkünfte wurden ihr von den immer neu eintreffenden Truppen streitig gemacht; manchen Rittes des Führers, Leutnant d. R. Kirn, bedurfte es, bis alles einigermaßen ins Gleis kam. Besondere Überlegung erforderte die Nachführung der Post und anderer Dinge bei den schwierigen, mit Fahrzeugen überlasteten Wegen.
Das Regiment wurde zum Einsatz der 200. I.-D. zur Verfügung gestellt. Nach weiterem Vormarsch über den Kirchheimerpaß gingen die Batterien vom 8. 10. ab unter ganz außergewöhnlichen Schwierigkeiten in Stellung.
Die Bedienungen zweier Batterien mußten zufassen, um einen Zug in einer Nacht an den vorgesehenen Platz zu bringen.
Nach mühevoller Arbeit standen dann die I. und II. Abteilung auf der Kosmaricza, die III. auf der Buzenica. Alle Batterien, mit Ausnahme der 9.,  in offenen, nur gegen Flie-gersicht gedeckten Stellungen. Hier galt es nun, bei sehr dürftiger Unterbringung und recht mäßiger Verpflegung, bis zum Angriffe auszuharren. Bald hatte die Kosmaricza den Namen „Hungerberg“ weg.
Der Regimentsstab lag zuerst in Slap, später in Roče.
Prachtvoll war die Gegend. Rechts von uns lag das vielumstrittene Tolmeiner Becken mit den Orten Tolmein und Karfeit, über dem sich stolz der Mrzli vrh und der Krn erheben. Vor uns das Bergmassiv der Jeza.
Durch Feuer störte uns der Italiener wenig. Nur manchmal überraschten Schüsse mit großer Treffgenauigkeit auf die Straßen und die wenigen Dörfer.“


aus: „Das 2. württ. Feldartillerie.-Reg. Nr. 29 „Prinzregent Luitpold von Bayern“ im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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