Samstag, 22. Dezember 2018

22. Dezember 1918



„Der Haupttransport der Entwaffneten (Hauptmann Schweickhardt mit 5., 8. zwei Zügen der 6. Kompagnie, 2. Maschinengewehr-Kompagnie, Minenwerfern, der beritte-nen Abteilung des III. Bataillons) durfte am 11. Dezember nach Bestechung die Heim-reise antreten. (Über Kasatin, Shmerinka, Proskurow, Rowno, Białystok).
Es muß hierbei eingeschaltet werden, daß die Fahrt über Kasatin, das sich schon am 7. Dezember hatte entwaffnen lassen, ohnehin erfolgen mußte. Der nächste Weg wäre nun über Berditschew nach Rowno gewesen. In Berditschew standen aber noch deutsche Truppen bis am 11., nach Mitternacht. Die Kämpfe waren noch nicht abgeschlossen, demnach hüteten sich die Ukrainer, die entwaffneten Deutschen mit den noch bewaff-neten zusammenzubringen.
Schon auf der nächsten Station (Browka) wurden die Pferde und das Sattelzeug weggenommen. In Kasatin wurde der Bagagewagen ausgeplündert. Zwischen Kasatin und Winniza fanden weitere Beraubungen statt. Am 15. Dezember (in Gretschano) nahmen bewaffnete Banden Geld, Uhren, Tornister und Stiefel. Nach Bezahlung von 3000 Rubeln Schmiergeld wurde der Zug nach Schepetowka weitergeführt, das am 16. Dezember erreicht wurde. Hier waren noch deutsche Truppen und eine deutsche Bahn-hofskommandantur.
Durch Bestechung des Maschinisten (1000 Rubel) ging die Fahrt bis Stolbunowa, wo auf Befehl der deutschen Behörden von Rowno gehalten werden mußte. Neben dem Zug hielt ein Zug entwaffneter Truppen vom Landw.-Inf.-Reg. 121, das im Überfluß schwelgte, aber den Kameraden, die ohne Verpflegung waren, nichts abgab.
Am 17. Dezember lief ein Zug bewaffneter preußischer Truppen ein. Bewaffnete russi-sche Zivilisten verlangten die Entwaffnung, die aber mit Gewehrschüssen beantwortet wurde. Nun bekamen die Entwaffneten wieder etwas männliches Gefühl, holten sich teilweise in der Umgebung des Bahnhofes Waffen und beteiligten sich an der Schie-ßerei. Die Bande wurde verjagt und ihr von den Preußen noch 2 Maschinengewehre abgenommen.
Da der Transport ohne Verpflegung abgefahren war, mußte er sich von  den Juden um schweres Geld die Lebensmittel einkaufen.
Am 19. Dezember fuhr ein mit 1200 Rubeln bestochener Maschinist den Zug in 25 Minuten nach Rowno, wo bewaffnete ukrainische Soldaten die Wagen stürmten und wiederum Geld, Uhren, Stiefel usw. stahlen. Nach halbstündigem Aufenthalt konnte die Fahrt nach Holoby fortgesetzt werden. Unterwegs wurde der Transport nochmals be-raubt und erpreßt (Klwercy). Nach Bezahlung von 10 000 Rubeln ging es weiter, Holo-by wurde am 20. Dezember erreicht. Von hier wurde die Fahrt wegen Wagenmangels (am 21.) in offenen Güterwagen angetreten, zum Schutz gegen Wind und Wetter errich-teten die Mannschaften Häuschen mit Fenstern und Türen aus Rahmenschenkeln, Brettern und Dachpappe und stellten in diese Bänke und Öfen. Über Kowel, Brest-Litowsk, Białystok (22. Dezember) erreichte der Transport noch am gleichen Tage in Prostken deutschen Boden.“

aus: „Das 1. Württ. Landsturm-Infanterie.-Regiment Nr. 13 im Weltkrieg 1915–1918“, Stuttgart 1920


Karl Walz ist wohl an den Strapazen der Rückfahrt tödlich erkrankt und wurde am 22. Dezember 1918 ins Kriegs-Lazarett Kowel eingeliefert. Die Todesmitteilung in der Stammrolle der 6. Kompagnie des Württembergischen Landsturm-Infanterie-Regiments Nr. 13 ist völlig verblaßt und nicht mehr zu entzif-fern.

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