Freitag, 14. Dezember 2018

14. Dezember 1918



„Am 30. Oktober besetzte die 7. Landwehr-Division Odessa, brachte die Dinge daselbst wieder ins Lot und ließ die Österreicher nach Hause fahren. Ihre Bahnschutztruppen verschwanden gleichfalls, und da ihrem Beispiel nach Ausbruch der Revolution in Deutschland nette, mit der Sicherung rückwärtiger Verbindungen betraute Landsleute – Landsturm – sich anschlossen, die ihren Posten verließen und für ihre Person zum Frieden übergingen, wurde Odessa unsere Falle.
Die Nachricht von der November-Revolution lockerte auch bei uns die Ordnung und Disziplin, sie erschütterte die Achtung der Russen vor unseren Gewehren und gab das Zeichen zum Aufstand der „Nationalukrainer“ unter Petljura gegen Skoropatschky; die wichtigsten Bahnlinien fielen ihnen, da nicht mehr gedeckt, von selbst in den Schoß. Bolschewisten, Petljuristen, Tschechen und Polen zogen in der Folge, teils mit-, teils gegeneinander um Odessa wie die Hunde um den Knochen, Gott weiß, woher sie alle kamen.  Auf der Seeseite legten sich, nun die Dardanellen geöffnet waren, englische und französische Kriegsschiffe vor die Stadt. Unterdessen riefen die deutschen Revolutions-männer die feldgrauen Heere nach der Heimat zurück und das war eine der letzten Nachrichten, die zu uns durchdrangen, dann war’s aus und wir fanden uns völlig abge-schnitten. „Neutral“ waren wir jetzt, nachdem allgemeiner Waffenstillstand geschlossen war, und ebenso ohnmächtig in unserem Erdenwinkel.“

aus: „Das Württembergische Landw.-Infanterie-Regiment Nr. 121 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1925

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