Samstag, 15. Dezember 2018

15. Dezember 1918



„Am 12. November traten wir den Heimmarsch an. Das erste Ziel war Wolfganzen, westlich Neubreisach. Am nächsten Tag überschritten wir bei Altbreisach auf der Schiffsbrücke den Rhein, voll Wehmut, aber doch in dem stolzen Bewußtsein, wohl zurückgedrängt, aber nicht besiegt zu sein, und mit dem Schwur auf den Lippen, daß der Strom, der so mächtig unter uns dahinfloß, dennoch deutsch bleiben solle, wenn auch die Feinde noch so gierig ihre Hände nach ihm ausstreckten und das eigene Volk im Taumel einer „neuen Zeit“ immer weiter die Waffen zerbrach, durch die es einst groß und mächtig geworden war!
Am 17. November schieden wir aus dem Verband der 7. Kav.-Division, zu der wir von Kriegsbeginn an gehört hatten, aus.
Am 30. November trafen wir in Stuttgart ein. Am Südheimer Platz wurde das Regiment von einer Abordnung der Stadt empfangen. Von da an ging es durch die festlich ge-schmückten Straßen auf den Marktplatz, wo das Regiment durch den Oberbürgermeister Dr. Lautenschlager und von der neuen Zeit in Gestalt des Ministers Crispien mit feier-lichen Ansprachen empfangen wurde.
Anders, als wir auszogen, kehrten wir heim. Nur ganz wenige der stolzen Lanzenreiter, die am Abend des 3. August 1914 durch Cannstatt geritten waren, befanden sich noch unter der kleinen Schar, die da zu Fuß mit Waffen, von denen man damals noch kaum gewußt hatte, zurückkehrte. Aber was damals nur ein kühnes Versprechen gewesen war, das war jetzt trotz aller Kümmernis ein erhebender und unverlierbarer Besitz: das stolze Bewußtsein voll erfüllter Pflicht!.“

aus: „Dragoner-Regiment „König“ (2. Württ.) Nr. 26 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1921


Friedrich Schwabenthan, der bereits am 15. Oktober 1906 bei der 5. Eskadron des Dragoner Regiments „König“ eingetreten war,  gehörte zu den wenigen, die sowohl den Ausmarsch im August 1914, als auch die Rückkehr im November 1918 miterlebten. Er erkrankte in Folge der Anstrengungen im Felde und auf dem Rückmarsch am 13. Dezember 1918 in der Garnison in Cannstatt und starb zwei Tage später im Lazarett. 

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