Montag, 19. Februar 2018

19. Februar 1918



„Die Patrouillen, auf Kompaß, Orientierungssinn und eine mangelhafte Karte ange-wiesen, durch pfadlosen Sumpfwald meist bis an den Leib im schlammigen Wasser watend (6. 10 bezw. 15 Stunden unterwegs) mußten den mühsamen Marsch lautlos in dem geheimnisvollen kaum durchdringlichen Gewirr von Erlen und Birken zurücklegen. Bald über verwitterte halbvergrabene Baumstämme stürzend, bald in Schlammlöchern bald versinkend und in der Gewißheit, daß bei Unfällen oder feindlichen Gegenmaß-nahmen das Schicksal der ganzen Patrouille besiegelt sein würde, leisteten sie, die alle freiwillig teilnahmen, ganz Hervorragendes.
Die beiden ersten Patrouillen erfüllten ihre Aufgabe, ohne von den Russen entdeckt zu werden. Bei der zweiten Patrouille beteiligte sich Ersatzreservist Öchsle (3. Kompagnie) und landsturmpflichtiger Laichinger (4. Kompagnie), die wichtige photographische Aufnahmen von russischen Blockhäusern machten. Er, sowie landsturmpflichtiger Laichinger machten auch die dritte Patrouille mit, von welcher beide mit guten Aufnah-men zurückkehrten. Öchsle wurde dafür zum Gefreiten ernannt. Die dritte Patrouille war von den Russen bemerkt und stark befeuert worden, aber glücklicherweise wurde niemand getroffen. Da diese Patrouille nach eingetretener Dunkelheit noch nicht zurückgekehrt war, wurden am Schtschara-Übergang Feuer angezündet, Lichtsignale losgelassen und Signale mit Instrumenten abgegeben. Nach Angabe des Patrouillen-führers wurde dies alles erst kurz vor dem Eintreffen bemerkt, da durch den dichten Urwald weder von Lichterscheinungen etwas gesehen wurde, noch vor dem eigenen Geplätscher im Wasser etwas gehört werden konnte. Im Wald wurde es schon um 4 Uhr dunkel, um 7 Uhr erreichte die Patrouille das jenseitige Schtschara-Ufer. Das Überset-zen auf dem kleinen Floß (für 3 Mann) dauerte auch noch geraume Zeit.
An dieser Patrouille nahm der Stabsarzt d. L. Dr. Herrmann teil. Ihm war es zu ver-danken, daß ein völlig Erschöpfter durch Einflößen von Kräftigungsmitteln und sechs-stündiges Mitschleppen durch die Wildnis zurückgebracht werden konnte. Er half per-sönlich am meisten dabei. Leider hatte er sich bei dieser Aufopferung den Grund zu seinem Mittelohrkatarrh geholt, der ihn nach längerem Kranksein, währenddessen er seinen Dienst noch weiter versah, schließlich niederwarf: Er starb am 18. Februar 1918 im Feldlazarett 254 Nimmersatt, wohin er auf seinen Wunsch gebracht wurde.“




aus: „Das 1. Württ. Landsturm-Infanterie.-Regiment Nr. 13 im Weltkrieg 1915–1918“, Stuttgart 1920
Bild oben: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand M 708

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