Montag, 5. Februar 2018

5. Februar 1918


„Am 4. Februar abends meldete die 8. Kompagnie in F 1 a, daß sie beim Gegner verschiedene verdächtige Anzeichen festgestellt habe, die in Verbindung mit dem in den letzten Tagen beobachteten Einschießen von französischen Batterien mit Fliegerbeo-bachtung und dem stärkeren Verkehr beim Gegner auf einen beabsichtigten Vorstoß schließen ließen. So wurde ein über einen Grabenrand herabhängendes weißes Band und ein an einem Pfosten angebrachtes weißes Richtungszeichen festgestellt. Auch hatte der Gegner an verschiedenen Punkten seine Hindernisse weggeräumt. Das ganze II. Batail-lon ist die Nacht über alarmbereit, doch bleibt alles ruhig. Die eigene Artillerie und die Minenwerfer suchen weitere feindliche Vorbereitungen durch Störungsfeuer zu hindern. Gegnerische Lager werden vergast; dabei gehen einige Granaten zu kurz nach F 1 b, wobei einige Leute der 6. Kompagnie, darunter zwei Zugführer, leicht vergiftet werden.
Man rechnet damit, daß der Angriff in der Morgenfrühe des 5. Februar stattfinden werde. Aber es regt sich nichts; die auf 9 Uhr früh verschobene Ablösung des II. durch das I. Bataillon geht ungestört vor sich. Die 1. Kompagnie bezieht F 1 a. Da um 10 Uhr setzt der Gegner zunächst mit schwerem Artilleriefeuer auf den Theklastützpunkt ein. Das Feuer verbreitet sich allmählich auf die ganze Stellung F 1 a und die anschlies-senden Teile der Nachbarabschnitte, auf Bereitschaften und Zugangsgräben und sogar auf die K 4-Linie auf der Schimpfhöhe. Seit 12.45 Uhr liegt schwerstes Artillerie- und Minenfeuer auf der Stellung F 1 a. Diese wird vollkommen zerstört. Zahlreiche Stollen-eingänge werden zusammengeschossen. Die Posten haben sich bei Beginn des Trom-melfeuers befehlsmäßig zurückgezogen. Trotzdem wird eine Beobachtung aufrechter-halten. Um 2.30 Uhr greift der Gegner mit drei Stoßtrupps von je 20 – 30 Mann an. Der westliche Stoßtrupp, der gegen die Regimentsgrenze vorgeht, wird durch das hier noch nicht ganz zerstörte Hindernis aufgehalten und weicht dann vor dem Gewehrfeuer einiger Leute, die einen Granattrichter besetzten, zurück. Dagegen dringt der östliche Stoßtrupp in den Wilhelminengraben ein, der mittlere in den Wallygraben. Der am Eingang zum Kompagnieführerstollen im Wallygraben beobachtende Mann erhält eine glücklicherweise nicht krepierende Handgranate auf die Brust und fällt in den Stollen hinab. Dadurch wird Hauptmann Bühler, der sprungbereit an der Treppe steht, aufmerk-sam gemacht. Er stürzt heraus, wirft Handgranaten nach rechts und links, schießt das Sperrfeuerzeichen ab und drängt mit seinen aus dem Stollen herausgerufenen Leuten die Franzosen gegen das Hindernis zurück. Leutnant Nestle, der jüngere Bruder des im Sommer 1916 bei der Ablösung im Cheppywald gefallenen Offiziers, eilt ihm über das freie Gelände hinweg mit einem Trupp zu Hilfe und zusammen vertreiben sie den feindlichen Stoßtrupp aus der Stellung. Da sieht auf einmal ein Mann, daß auch von rückwärts, vom Wilhelminengraben her, Franzosen kommen. Es ist der östliche Stoß-trupp. Hauptmann Bühler wendet sich nun auch gegen diesen und im Verein mit einem Trupp seiner Kompagnie, der im Wilhelminengraben bisher Widerstand geleistet hat, vertreibt er auch diese letzten Franzosen. Das feindliche Feuer flaut rasch ab und man kann den Schaden feststellen.
Ein Mann ist tot, eine größere Anzahl verwundet und zwei werden vermißt; niemand hat gesehen, wie sie verschwunden sind. Zunächst glaubt man eher, daß sie verschüttet wurden. Aber der französische Tagesbericht läßt erkennen, daß sie in Gefangenschaft geraten sind. Die Stellung ist schwer mitgenommen. der K 1-Graben ist ein Trichterfeld, einzelne Verbindungsgräben sind überhaupt nicht mehr zu finden. Von den Hindernissen sind nur spärliche Reste geblieben. Schwere Arbeit kostet es die 1. Kompagnie und die Bereitschaftskompagnien, die Stellung wieder instand zu setzen.“


aus: „Das Württembergische Landw.-Infanterie-Regiment Nr. 125 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1926

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