Montag, 26. Februar 2018

26. Februar 1918


„Auch in den sicheren Stollen lauert der Tod, und die Landwehr muß beweisen, daß sie nicht nur im Kampfe mit dem Feind, sondern auch im Kampf mit den entfesselten Elementen Mut und Tatkraft, Pflichttreue, Opferfreudigkeit und treue Kameradschaft bewahrt. Nach dem Feuerwirbel des 23. Februar ist es still geworden. Aus dem kalten nebligen Tal bringt uns die Drahtseilbahn in wenigen Minuten in ein Reich der milden warmen Frühlingslüfte. Da sitzt man friedlich vor dem Stollen. Der Schnee wirft die Sonnenwärme zurück. Unten im Tal aber wogt ein unübersehbares Nebelmeer. An den Berghängen branden die Wellen, und wo sie zurückebben, da glitzert’s und gleißt’s von Milliarden von funkelnden Nadeln. Leicht kräuselt sich an den Stolleneingängen die Luft. Von dem Holzkohlefeuer steigt kein verräterischer Rauch in die Luft. Da – ein leichter Rauch kommt aus den Stolleneingängen des Aussichtsfelsens. Na, die haben mal wieder gut eingeschürt. Weiß der Teufel, was die wieder in den Ofen gesteckt haben. Doch das kommt ja oft genug vor. Da plötzlich schlagen helle Flammen, vom Ostwind angefacht, heraus. Der Gefreite Laubinger springt auf, er alarmiert den Zugführer und die Löschmannschaften und stürzt an den Flammen vorbei in den großen vielverzweigten Stollen. Es gelingt ihm, die noch ahnungslosen Kameraden drin zu alarmieren, und vom Rauch vergiftet und betäubt gelangt er mit den meisten Kameraden noch glücklich ins Freie, wo er ohnmächtig zusammenbricht. In einer Felsenkammer versperren umfallende Gewehre den Herausstürzenden die Tür. Das Licht ist erloschen, und in Qualm und Rauch und Finsternis gelingt es dem Gefreiten Reile nicht, das Hindernis zu beseitigen. Inzwischen eilen Unteroffizier Eppeler und Gefreiter Moll den Eingeschlossenen zu Hilfe. Sie reißen eine Nottür auf und versuchen die schon ohnmächtigen Kameraden ins Freie zu schleppen. Inzwischen ist es Reile gelungen, die Tür wieder frei zu machen. Er alarmiert rasch im Kompagnieführerstand, und da die Kameraden nicht folgen, kehrt er noch einmal zurück. Aber die Hitze ist schon zu groß. Er kann nur noch, selbst dem Erstickungstod nahe, den ohnmächtig im Gang liegenden Landsturmmann Schlotter hinausschleppen. Dann bricht er zusammen. Aus allen Ausgängen schlagen jetzt mächtige Flammen und Rauchsäulen zu Himmel empor. Eine furchtbare Hitze bringt die Handgranaten und Munition überall zum Explodieren. An Rettung ist nicht mehr zu denken. Eppeler und Moll sterben in treuer opferwilliger Kameradschaft mit den sieben noch Eingeschlossenen den Flammentod. Erst nach 2 Tagen ist der Brand erloschen und der Fels so weit abgekühlt, daß man ihre Leichen bergen kann.“
                                                                                                                                                                 

aus: „Das Württembergische Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

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