Freitag, 23. März 2018

23. März 1918


„Die Höhen westlich Heninel waren stark besetzt. Heftiges Artillerie- und Maschinen-gewehrfeuer prasselte den Kompagnien entgegen, so daß sie verhielten. In Heninel fiel dem I. Batl. ein englisches Bierlager in die Hände, das vom sachkundigen Führer sofort für seine Truppe beschlagnahmt und sorgfältig verwaltet wurde. Überall gab es in Hülle zu essen. Besonders geschätzt waren die englischen Konservenbüchsen, denn die Rationen waren klein geworden und der Soldatenwitz hatte dem ganzen Angriff den derben aber bezeichnenden Ausdruck „Kohldampfoffensive“ gegeben. Kurz nach 9 Uhr nahm auch das III. Batl. entfaltet den Vormarsch gegen Heninel auf, löste sich vor dem Höhenhang in drei Schützenlinien auf, stieg wie bei einer Felddienstübung unbelästigt den Südhang des Cojeulbaches hinunter und durchschritt 11.30 Uhr vormittags Heninel, um an dessen Nordrand eine kurze Atempause zu machen. Auf den Bachgrund legte der Gegner nun wahnsinniges Feuer. Jetzt ging es den Nordhang hinauf, zum Sturm gegen stark verdrahtete Gräben, in denen tapfere Verteidiger unerschüttert und unentmutigt standhielten. Wieder traten starke Verluste ein und der Angriff blieb zunächst vor dem englischen Hindernis liegen, wo sich die 10. und 11. Komp. eingruben. Die 9. und 12. Komp. wurden zur Verstärkung des linken Flügels herangezogen. Um 4 Uhr kam die Begleitbatterie und wetterte in die englischen Gräben. Da sie aber zu nahe an den Nordhang der zum Cojeulbach fallenden Anhöhe herangefahren war, konnte sie keine Nahziele bekämpfen und überschoß die vorderen feindlichen Grabenstücke. Nichts-destoweniger wurde 4.40 Uhr der englische Stützpunkt „Tommyauge“ in langsamem Grabenkampfe erstürmt und feindliche Grabenstücke aufgerollt. Es war ein Helden-kampf ohnegleichen. Führer und Mannschaften wetteiferten. In kleine Gruppen aufge-löst, rauften sich die Kompagnien um die zahllosen, maschinengewehrgespickten Gra-benstücke des „Tommyauges“ und vertrieben im Nahkampf den Gegner. Hier starb Leutnant d. R. Lachenmann an der Spitze seines Zuges den Heldentod. Von einem Drahthindernis aufgehalten, wollte er den Weg bahnen, sprang in das Drahtgewirr hinein und fiel durch den Kopf geschossen. Aber der feindliche Stützpunkt wurde genommen. Die Höhe wurde überschritten und die Talmulde zwischen Neuville-Vitasse und Wancourt eingesehen. Nachts 11 Uhr schien der Feind zum Gegenstoß zu schreiten; Sperrfeuer zerschmetterte seine Versuche. Nach Mitternacht wurde es wieder ruhiger. Das II. Batl. lag während dieser Kämpfe in Reserve östlich Heninel.ׅ“

aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920


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