Samstag, 3. Januar 2015

3. Januar 1915


„Die Truppenverbandplätze der Division befanden sich im Oktober noch in Binarville, wurden dann aber vorwärts in den Wald verlegt in die Nähe der Bataillons-Gefechtsstände. Der Stellungskrieg – Sappenkrieg, wie man damals sagte – war im Oktober schon in voller Entwicklung. Die Sanitätsunterstände der Regimenter 127, 120, 124 lagen vom Januar 1915 ab am Südhang der Moreauschlucht, der des Gren.-Regt. 123 in dem östlich anschließenden Tale. Sie boten nur Platz für je 8–10 Verwundete, weshalb Inf.-Regt. 124 in der 2. Stellung einen bombensicheren Verbinderaum für 8 liegende Verwundete, und Gren.-Regt. 123 bei der Totenmannmühle einen Sanitätsunterstand mit 3 Räumen für je vier liegende Verwundete, einen Operationsraum mit Herd, Feldsterilisator, Operations-Instrumententisch und elektrischer Beleuchtung erstellte.

Von den Pionieren war eine Kleinbahn mit Dampfbetrieb, die Argonnenbahn, gebaut worden, auf ihr wurden die Verwundeten von der Totenmannmühle bis ins Feldlazarett 5 in Senuc befördert, und zwar auf Wagen, welche nach der Kriegs-Sanitätsordnung zum Verwundetentransport hergerichtet waren. Die Beförderung von den Truppenverbandplätzen (Bataillons-Sanitätsunterstand) zum Endpunkte der Argonnenbahn bei der Totenmannmühle besorgte die ebenfalls von den Pionieren erbaute Förderbahn (Pferdebetrieb) mit einem Park von 20 Rollwagen, welche mit einem Eisengestell zum Aufhängen von je 2 Krankentragen an Spiralfedern versehen waren. Auf die Truppenverbandplätze wurden die Verwundeten von den Krankenträgern der Truppe getragen. Hier forderte der Grabenkrieg eine Neuerung. Die planmäßige Krankentrage der Truppe war in den tiefen, schmalen, vielfach gewundenen Gräben nicht zu gebrauchen. Erfinderische Truppenärzte (darunter auch der damalige Regimentsarzt Gren.-Regt. 123) konstruierten Tragestühle, Rückensitztragen und dergl., die sich aber nicht dauernd und allgemein einführten. Als einfachstes Transportmittel im Graben bewährte sich  immer wieder die Zeltbahn, die über dem Verwundeten zusammengeknüpft und an einer durchgesteckten Stange getragen wird. Durch eingespreizte Querhölzer kann die Zeltbahn klaffend gehalten werden. Damit ließ sich jeder Verwundete auch durch enge, gewundene Gräben tragen – wenn auch natürlich nicht gerade sehr schonend. Aber es kam in erster Linie auf eine gegen feindliches Feuer geschützte und möglichst rasche Beförderung an.“
 
 

aus: „Das Sanitätswesen im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1924

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