Donnerstag, 8. Januar 2015

8. Januar 1915


„Erst am 8. Januar suchen die Franzosen nach heftiger Artillerievorbereitung auf Höhe 322 vorzustoßen, um so diese das Dollertal beherrschenden Stellungen in Schach zu halten, während ihr Hauptangriff Oberburnhaupt gilt. Sie werden aber mit empfindlichen Verlusten ihrerseits wieder in den Wald zureückgetrieben. Ihr Angriff war vor der Niederaspacher Stellung nicht über ihre Stellung hinausgekommen. Auch im anschließenden Abschnitt gegen Oberburnhaupt blieben sie nach anfänglichen Erfolgen gegen die 40er stecken und verloren in der Folge ihre gewonnenen Geländeteile zum größten Teil wieder.

Am 9. Januar schlug auch für das III. und IV. Bataillon die Ablösungsstunde. Schon am 3. Januar sollte sie stattfinden, aber die Lage war so wenig geklärt, daß an eine Ablösung noch nicht gedacht werden konnte. Die Anstrengungen der letzten 5 Wochen hatten die Kräfte erschöpft, die Gesundheit der Leute hatte schwer gelitten, bleich waren die Gesichter geworden, schwere, grippeähnliche Katarrhe hatten einen jeden gefaßt. Es war Zeit, daß man wieder sich erholen und aufschnaufen durfte. Das II. Bataillon Landw.-Inf.-Reg. 110 löste die beiden Bataillone ab, die über Heimsbrunn nach Altkirch sich in Bewegung setzten, um dort mit den beiden vorausgegangenen ersten Bataillonen in die Wacht im Hirzbacher Wald sich zu teilen. Wie gerne ließ man die alten Stellungen hinter sich und die Orte, in denen man so viel Angenehmes und Unangenehmes erlebt hatte. Die Häuser waren leer geworden, denn schon am 4. Januar hatte man den Bewohnern befohlen, das Dorf zu räumen. Aber es fehlte an Wagen und Zugtieren und so konnten die Ärmsten, die die Heimat aufgeben mußten, nicht einmal ihre Habe mitnehmen. Nur das Allernotwendigste führen sie mit sich fort. Ergreifende Szenen spielen sich vor den Augen der Landwehrmänner ab, die mithelfen, wo sie können. Jeder ist froh, daß dies grausame Schicksal den Seinen noch erspart ist.“

aus: „Das Württembergische Landwehr-Inf.-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923

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