Montag, 17. August 2015

17. August 1915


„Ein neuer Befehl rief das Regiment in nordöstlicher Richtung auf Mien; östlich dieses Ortes lag der Feind auf den Höhen. In der Miankaniederung und von Karpie her auf dem linken Nurzec-Ufer entwickelten sich Kompagnien des I. Bataillons und besetzten am Abend des 15. August mit dem III. Bataillon die Straße Karpie – Mien.
Als besonders zusammengestelltes Detachement mit 1./Ul. 20, 5./Pion. 13, I./29, geht der Marsch am 16. August über Potoki auf Bransk, mit der Aufgabe, mit der nach Ruda marschierenden 1. Garde-Res.-Div., von der noch keine Nachricht vorlag, Verbindung herzustellen. Die Brücke über den Bronka-Bach und die nördlich gelegenen Höhen hatte der Russe in den Händen. Unter dem Schutz unseres Artilleriefeuers, das sehr gut wirkte, entwickelte sich das Regiment zum Angriff mit folgendem Befehl:
I. Bataillon mit 4 M.-G. gegen die Brücke.
II. Bataillon links neben I. Bataillon über Höhe 144 gegen Höhe 142.
III. Bataillon mit 4 M.-G. als Reserve hinter Höhe 144.
5./Pion. 13 folgt dem I. Bataillon zur Wiederherstellung der Brücke.
Dem II. Bataillon werden die M.-G.-Züge 222/223 zugeteilt. Das Bataillon bekam gleichzeitig noch den Auftrag, den Kirchhof bei Höhe 144 mit zwei Kompagnien so lange besetzt zu halten, bis die Brücke in unserer Hand war.
Das I. Bataillon gelangt bald in den Besitz des Punkts 137, bekam aber beim Durchschreiten des Waldstückes Feuer aus Kalmica und nahm den Ort bis 4 Uhr nachmittags. Inzwischen war es dem II. Bataillon gelungen, bis zum Abend durch den Wald durchzustoßen und den Waldrand nördlich Kalmica zu erreichen. Mit zurück-gebogenem rechten Flügel, um den Anschluß an die Garde zu bekommen, gruben sich beide Bataillone an den Waldstücken ein. Am folgenden Tag, 17. August, sollte dann das II. Bataillon den Feind von Norden her aufrollen.
Hier zeichnete sich besonders im Nahkampf durch hervorragendes Draufgehen die 8. Kompagnie des Regiments aus und trug zum Erfolg des Tages bei. Sie hatte den Auftrag, den Wald zu säubern. Unter dem Schutz der Gebüsche legte sie eine große Strecke unbehelligt zurück, als mit einem Schlag der Feind ein mörderisches Feuer, dem bei der nahen Entfernung so mancher gute Kamerad zum Opfer fiel, in die Reihen der Kompagnie einschlug.
Gegen eine gut maskierte und zäh verteidigte Schanze ging es! Angefeuert durch ihre Offiziere, die bis zum letzten Atemzug aushielten, wehrten sich die Russen aufs äußerste.
Aber auch bei uns fehlte es nicht an hervorragenden Führern. Ihnen voran Leutnant d. R. Negele. Die 8. Kompagnie führend, verstand er es durch sein hervorragendes Beispiel an Tapferkeit, seine Mannschaften mitzureißen, und als diese den heldenmüti-gen Führer tot zusammenbrechen sahen,  erfaßte sie wilder Zorn. – Rache für den beliebten Offizier! – Im Halbkreis hatten sich die Russen im Gestrüpp des Waldes, fast unsichtbar, eingenistet und schossen noch auf wenige Meter auf die anstürmende tapfere Schar. Viele Gefangene wurden dabei nicht gemacht; was nicht noch rechtzeitig die Flucht ergriff, war rasch in erbittertem Handgemenge von den Unsern überwältigt. – Es scheint fast, als hätten wir einen neuen Gegner vor uns, und warum sollten wir nicht auch des Feindes Tapferkeit anerkennen? – das fühlen wir in den folgenden Kämpfen und Gefechten mehr und mehr.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „Alt Württemberg“ (3. Württ.) Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

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