Dienstag, 5. Januar 2016

5. Januar 1916


„Schon am 26. Dezember war das Inf.-Regt. 132 vom II./119 in der Bereitschafts-stellung vor Ypern abgelöst. Das I./119 kam als Divisionsreserve in das Hüttenlager Dornkirch (Chap. d’Epines südlich Kruiseik). Daß wir es mit einem lebhaften Gegner (Engländer) zu tun haben werden, zeigten schon die ersten beiden Stellungstage, wo wir 4 Tote und 6 Verwundete zu beklagen und zahlreiche englische und französische Flieger über uns hatten. Letzere bewarfen auch die Ruhequartiere Menin und Wervicq mit Bomben. In der Folgezeit hatte das Regiment täglich Verluste in der Stellung. Das tägliche feindliche Artilleriefeuer auf die mit großen Sprengtrichtern durchsetzte Stel-lung erforderte dauernde Grabenarbeiten; für jede Stellung hatten wir einen besonderen Bauoffizier; damals für I. Stellung Leutnant d. R. Mattes, II. Leutnant d. R. Reiner, III. Leutnant d. R. Stumpp. Das Bereitschafts- und Ruhebataillon stellte die Arbeitsmann-schaften; so waren alle Bataillone dauernd in Atem gehalten.
Die Ortschaften, Wälder und Straßen im Kampfgebiet waren gänzlich zerstört. Dies bot ein häßliches, niederdrückendes Bild, wie auch die oft schon zerfallenen, verschlamm-ten, zum Teil im Wasser stehenden und kaum mehr zu erkennenden Soldatengräber. Sie waren wie die ganze vor 1 Jahr noch schöne und unversehrte Gegend Zeugen schwerer Kämpfe. – Durchschnittlich waren die Bataillone je 4 Tage in vorderer Stellung, Bereit-schaft oder Reserve.
Nach mehr als einjähriger Trennung waren wir jetzt wieder mit unseren Landsleuten der 27. Inf.-Division in einem Verband vereinigt und Stellungsnachbarn.
Der wasserreiche Boden machte uns und tröstlicherweise auch dem Gegner viel zu schaffen, um Verteidigungsfähigkeit und Unterkunft in der Stellung zu ermöglichen. Infoge des – zumal bei der herrschenden regnerischen Witterung vermehrten – Grund-wassers mußten die Stellungen auf dem gewachsenen Boden aufgebaut und zur Deckung gegen leichtere und mittlere Geschosse Betonbauten errichtet werden. Dies erforderte viel Arbeit und schwierigen Materialtransport neben der dauernden Tätigkeit im Lagerbau und dem täglichen, meist in der Nacht ausgeführten und oft durch feind-liches Feuer gestörten Vorbringen der Verpflegung.“



aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

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