Samstag, 9. Januar 2016

9. Januar 1916


„Sonst verhielten sich die Franzosen um die Jahreswende hier äußerst ruhig. Sie bauten ihre Stellungen mächtig aus, verstärkten sie ebenso wie wir auf der Gegenseite. Man hatte im allgemeinen feststellen können, daß der Franzose auf der ganzen Linie jetzt ältere Mannschaft eingesetzt hatte. Man gewann den Eindruck, daß hier unten keine größere Kampfhandlungen von Seiten der Franzosen mehr zu erwarten waren. So kam das Jahr 1916 heran. Was barg es in seinem Schoße? Etwas war mit dem Anfang des Monats Januar anders geworden, den Eindruck gewann man sofort und er verstärkte sich, wenn man die Tagebücher aufmerksam durchliest. Da fällt es auf, daß auf einmal die eigene Artillerie ein viel mächtigeres Wort mitredet, daß die Franzosen ihre Horch-posten verdoppeln und viel unruhiger sind. Von unserer Seite wird alles getan, um sie in dieser Unruhe zu erhalten. Die französische Unsicherheit läßt sich oft darin aus, daß sie wie wütend auf einzelne Stellungen lostrommeln, so daß oft bis zu 1000 Granaten an einem Tag gezählt wurden. Die eigene Artillerie dröhnt in diese Konzerte umso mäch-tiger drein, als sie nicht mehr so ängstlich sparen muß.“


aus: „Das Württembergische Landwehr-Inf.-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923

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