Montag, 15. Februar 2016

15. Februar 1916


„Gegen Mitternacht setzte der Gegner mit stärkstem Artilleriefeuer ein, das sich gegen 12.45 Uhr vormittags zum Trommelfeuer steigerte. 12.50 Uhr vormittags lief der Gegner zweimal gegen die ihm entrissene Stellung an, vergeblich, er wurde überall abgewiesen, teilweise im Nahkampf mit Handgranaten. Hier fiel Leutnant d. R. Frank 6./124. 1.40 Uhr vormittags ließ das Feuer auf die vorderen Stellungen nach, in das Hintergelände, besonders auf die Kanalbereitschaft, dauerte es bis 8 Uhr morgens. Auf letztere Stellung fielen allein 600 schwere Schuß.
Nach dem Abflauen des Artilleriefeuers wurde auch der Rest des II./120 in die Kanalbereitschaft nachgezogen, da Nachschub aller Art dringend Kräfte erforderte. Seit 1 Uhr nachts hatte sich das bisher gute Wetter verschlechtert, erst kam Sturm und Regen, dann heftiger Schneefall und Frost, so daß die Truppen vorderster Linie, die ungeschützt in der Nässe lagen, stark unter der Ungunst des Wetters zu leiden hatten. Am späten Vormittag wurde, vom Gegner fast ungestört, die Sturmmannschaft abgelöst und rückte zur kurzen Erholung nach Kortewilde. 10 Uhr vormittags wurde Hauptmann d. R. Reymann bei Aufräumungsarbeiten an einem englischen Hindernis durch ein Infanteriegeschoß tödlich getroffen.
Die auf der Bastion neu eingesetzte 9. und 10./124 waren tagsüber von allem abge-schnitten, da es der Mineurkompagnie noch nicht gelungen war, den Minengang als gedeckte Annäherung aufzuräumen. Ein offenes Vorgehen war wegen der Flankierung von der kleinen Bastion am anderen Kanalufer nicht möglich.
Am 15., 6.25 Uhr nachmittags begann der Gegner mit schwerer Artillerie unter Fliegerbeobachtung sich auf die Kanalbereitschaft einzuschießen. Kurze Zeit darauf zerstörte ein Volltreffer vor dem Regimentsgefechtsstand alle Leitungen und warf die innere Einrichtung der Fernsprechvermittlung durcheinander, mehrere Mannschaften wurden getötet, 2 Offizier verwundet. Auf längere Zeit war die Verbindung nach allen Seiten gestört, vollständig konnte der Betrieb überhaupt nicht wieder hergestellt werden, da die Kabel zum Teil in der Erde, zum Teil im Kanalbett lagen, ihr Auffinden erforderte lange Zeit und konnte bei der Beschießung nicht vorgenommen werden.
Gegen 10 Uhr abends setzte abermals starkes Artilleriefeuer ein, das bis zum Trommelfeuer anschwoll, fortgesetzte Infanterieangriffe folgten. Unser energisch einsetzendes Sperrfeuer unterstützte die Infanterie hervorragend in der vollständigen Abwehr. Bis 7.15 Uhr vormittags unternahmen die Engländer dauernd Vorstöße, die aber bei der zähen Abwehr unserer Leute alle vergeblich waren, beim letzten Vorstoß wurde Leutnant d. R. Lieb 5./124 durch eine Handgranate schwer verwundet.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

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