Sonntag, 14. Februar 2016

14. Februar 1916


„10.30 Uhr vormittags hatte der Regimentsstab den Gefechtsstand in der Kanalbereit-schaft bezogen und Oberst Haas das Kommando in der Stellung übernommen.
4.30 Uhr nachmittags setzte Artillerie- und Minenwerferfeuer zum Sturmreifmachen der feindlichen Gräben ein, die gegnerische Artillerie antwortete sofort lebhaft, belegte aber die vordere Linie nicht.
5.10 Uhr nachmittags schossen von der Bastion die englischen M.-G. noch lebhaft, die schwere Artillerie nahm die Stellungen vermehrt unter Feuer.
Von 6–6.30 Uhr nachmittags steigerte sich das Feuer zum Trommelfeuer. Nachdem verlegten Artillerie und Minenwerfer ihr Feuer allmählich weiter feindwärts, der Gegner antwortete sofort mit Sperrfeuer hinter unsere zweite Linie,
Die Sturmtrupps begannen ihre Bereitstellung, 6.45 Uhr nachmittags erhielt das Regiment die Meldung, es sei alles bereit.
Im letzten Augenblick noch wurde der Sturmtrupp des Leutnants Olbrich, 6./124, durch einen zu kurz gehenden Schuß eines 21 cm-Mörsers außer Gefecht gesetzt. Leutnant Olbrich und 6 Mann waren tot, der Rest verwundet. Der Reservesturmtrupp trat dafür ein.
Dieses Bereitstellen der Sturmtrupps auf die Minute trotz des trommelfeuerartigen Sperrfeuers der Engländer verdient für Führer und Mannschaften höchstes Lob.
Von 6.57–6.59 Uhr gingen die drei Sprengungen hoch. Auf der Bastion und weiter rechts glückten sie, an der dritten Stelle versagte die Zündung.
Punkt 7 Uhr abends brachen ungeachtet der noch niederfallenden Erdmassen und des feindlichen Abwehrfeuers die Sturmtrupps los, die rückwärtigen Wellen rückten nach. Hierbei zeichnete sich besonders Hauptmann d. R. Bammert mit der 8./214 aus. Unter den größten Anstrengungen mußte die feindliche Sperrfeuerzone durchschritten werden, die Kompagnie kam aber zeitgerecht an ihren befohlenen Platz.
7.05 Uhr abends war die erste feindliche Linie genommen. Bei der 6./124 zeichnete sich Vizefeldwebel Weiß mit seinem Sturmtrupp besonders aus, durch Wegnahme eines englischen M.-G.s, ebenso der Gefreite Kern von Ravensburg, der den verwundeten Sturmtruppführer ersetzte und, obwohl selbst verwundet, umsichtig und entschlossen weit über das gesteckte Ziel vorstieß.
Bei Punkt 13 wehrte sich ein englisches M.-G. verzweifelt, der tapfere Sturmtruppführer Vizefeldwebel Fischer, 7./124, fand beim gewaltsamen Vorstürmen den Heldentod.
7.32 Uhr abends war überall das gesteckte Ziel erreicht mit Ausnahme des Punktes 13, die 12./124 auf der Bastion dagegen hatte ihr Ziel überschritten. Hier hatte sich wieder der Gefreite Friedrich Goral ausgezeichnet, indem er weit voraus jeden Widerstand mit Bajonett und Handgranate brach.
Zum Ausbau der eroberten Stellungen und zum Graben der Verbindungen wurden Verstärkungen vorgeschickt, hierbei wurde Oberleutnant d. R. Weitbrecht durch einen Infanterieschuß schwer verwundet.
Von Kortewilde wurde der Bataillonsstab und 6. und 8./120 in die Kanalbereitschaft nachgezogen.
8.25 Uhr abends erreichte Leutnant d. R. Denser mit 2 schweren M.-G. in unerschrok-kenem Vorgehen die Bastion, um bei feindlichen Gegenstößen zur Abwehr rechtzeitig zur Stelle zu sein. 10 Uhr abends traf den heldenmütigen Führer ein tödlicher Infanterie-schuß.“


aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921

aus: „Schwäbische Kunde aus dem großen Krieg“, Stuttgart 1921

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