Samstag, 27. Februar 2016

27. Februar 1916



„Am 27. Februar, morgens 6 Uhr, sollten die beiden Regimenter wieder bereitstehen, um nach vorausgegangener Artillerievorbereitung anzugreifen. Die Nacht benutzte das Regiment dazu, auf den Höhen unmittelbar nördlich Moranville und Grimaucourt Sturmstellungen ausheben zu lassen. Das um Mitternacht dem Regiment wieder zur Verfügung gestellte I. Bataillon mit der 2. M.-G.-Kompagnie 132 wurde nach dem Wald Montricel herangezogen und beauftragt, eine Gelegenheit für einen umfassenden Angriff auf Grimaucourt von Osten her zu erkunden, da das Landw.-Regt. 102, das sich im Anschluß an 126 entwickeln sollte, noch nicht eingetroffen war. Über die Linie Teich von Moranville – Höhe nördlich Blanzée sollte der Angriff zunächst nicht vorge-tragen werden.
Als jedoch gegen Morgen die Patrouillen feststellten, daß der Gegner die Orte Moran-ville und Grimaucourt zu räumen beginne, traten das II. und III. Bataillon gegen 5 Uhr morgens zum Angriff an und setzten sich in Besitz der beiden Dörfer. In Grimaucourt erbeutete die Gruppe des Unteroffiziers Josef Brühl der 9. Kompagnie welche die Franzosen noch während der Vorbereitungen zur Flucht überraschte, in frischem Drauf-gehen 2 Maschinengewehre und nahm die Bedienungsmannschaft (11 Mann vom Regt. 366) gefangen. Außerdem fielen dem Regiment viel Pioniergeräte und große Bestände an Munition und Ausrüstung in die Hände. Besonders willkommen waren die vorgefun-denen Wäschevorräte.
Die sofort eingeleitete Erkundung ergab, daß der Gegner die Linie 255 nördlich Moulainville la Basse – Chenu Wald besetzt hielt. Eine Patrouille des Leutnants Graner fand dagegen Blanzée frei, das nun von dem Zug Reiff der 6. Kompagnie besetzt wurde. Er fand Gelegenheit, eine von Châtillon nach Moulinville la Basse marschierende französische Infanteriekolonne wirksam zu beschießen. 9 Uhr vormittags erhielt Inf.-Regt. 126 den Befehl, die Höhe 255, Inf.-Regt. 126 den Chenu Wald anzugreifen. Landw.-Regt. 102 sollte dem Angriff des Regiments links gestaffelt Richtung Châtillon folgen. Das Regiment setzte das II. Bataillon von Moranville aus in südwestlicher Richtung gegen Le Chenu an, während das III. Bataillon von Grimaucourt aus Blanzée gewinnen sollte, um von hier aus die Südostecke des Waldes umfassend anzugreifen. Das I. Bataillon erhielt Befehl, bis Grimaucourt vorzurücken. Das II. Bataillon benutzte zum Vorgehen die vom Chenu Wald auf Moranville herabführende Mulde, während das III. Bataillon wie auf dem Exerzierplatz in dünnen Wellen die flache Höhe zwischen Grimaucourt und Blanzée überschreitend ohne Verluste durch das heftige feindliche Artilleriefeuer Blanzée erreichte. Dagegen gestaltete sich sowohl die Entwicklung des II. Bataillons aus seiner Mulde heraus (7. und 8. Kompagnie in 1. Linie) wie die des III. aus Blanzée im Feuer der feindlichen Infanterie und Artillerie sehr schwierig und verlustreich, so daß die Angriffsbewegung auf etwa 5–600 m vom Gegner zu stehen kam. Der Chenu Wald war stark besetzt und verdrahtet und hatte gutes Schußfeld. Die beabsichtigte Umfassung erwies sich als unausführbar, da die vom Feind besetzte Mandre-Ferme vielmehr unseren eigenen linken Flügel flankierte und zum Zurück-biegen zwang. Die Wirkung der eigenen Artillerie reichte gegenüber der übermächtigen französischen Artillerie auf den Côtes Lorraines und den Vorhöhen nicht aus, um den Angriff wirksam zu unterstützen. Die Bataillone erhielten daher den Befehl, sich in den erreichten Stellungen einzugraben. Landw.-Regt. 102 sollte auf Befehl der Division in Blanzée Anschluß an das Regt. 126 nehmen; es trat jedoch aus dem Wald von Grimau-court nicht heraus. Das Reservebataillon (I.) erhielt daher von der Division den Befehl, den Schutz der linken Flanke zu übernehmen.“


aus: „Das 8. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 126 „Großherzog Friedrich von Baden“ im Weltkrieg 1914-1918ׅ, Stuttgart 1929


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