Dienstag, 23. Februar 2016

23. Februar 1916


„Während der Nacht ordneten die Kompagnien ihre Stellung und Verteilung wie folgt: Die 3./L. 126 und in diese eingeschoben die 4. dicht am Kanal. Nach Süden anschließend die 7. Kompagnie mit zwei Zügen der 8. Vor der Höhenkuppe die 6., die 3. und 2. Kompagnie. So begann man alsbald, sich einzugraben, Drahthindernisse und Telephonleitungen anzulegen. Die Arbeit ging flott von statten, da kam 1.30 Uhr nachts lautlos der Gegner angeschlichen. Im überraschenden Gegenstoß wollte er das verlorene Gelände wieder zurückgewinnen. Doch unsere Posten und Patrouillen vor der Front der arbeitenden Kompagnien waren wachsam. Auf ihre Alarmpfiffe hin flogen die Spaten zur Seite und die Gewehre zur Hand. Der Feind wurde abgewiesen.
Noch zweimal während der Nacht versuchte der Gegner, uns den Erfolg des Tages streitig zu machen. Er erreichte nichts und ließ 1 Offizier und 25 Mann vor unserer Front tot liegen. Überdies waren die Gräben, durch welche die Franzosen herange-kommen waren, nach Meldung der Patrouillen, voll von grausig zerfetzten Leichen. Das war das Werk der Artillerie, deren Feuer auf unsere Signale hin pünktlich eingesetzt hatte.
Bei den französischen Toten fanden wir übrigens nur ganz wenig Gewehre, dagegen alle Taschen gefüllt mit Eierhandgranaten.
Trotz aller Unterbrechungen der deutschen Arbeit war unser Graben bei Tagesanbruch am 23. Februar mehr als mannstief, verteidigungsfähig, mit Schutzschilden versehen, die M.-G. überall eingebaut. Davor zog sich ein Drahthindernis von 7 Meter Breite, stellenweise noch mehr. Am Abend des 23. Februar waren auch Fuchslöcher geschaf-fen, die einigermaßen Schutz gegen das französische Geschützfeuer boten. Das Regi-ment hatte bis zu deren Fertigstellung schwer unter diesem gelitten. Jetzt ließ auch die Feuerstärke nach; die deutschen Batterien bekämpften die französischen kräftig.
Die Kompagnien hatten während der anderthalb Tage seit Eroberung der Stellung vielfach bis zur Kniehöhe in Wasser und Sumpf gestanden, aber unverdrossen und siegesfroh durchgehalten. In der Nacht vom 23./24. Februar wurde das II./L. 126 durch II./L. 121 abgelöst und kam als Brigadereserve nach Illfurt, Tagolsheim und Lümsch-weiler.
Die Verpflegung, der Munitions- und Materialnachschub waren über die ganze Zeit gut vonstatten gegangen. Das wurde hoch anerkannt von all den Leuten, die am Hartmanns-weilerkopf in dieser Hinsicht ganz andere Erfahrungen gemacht hatten. Bei Heidweiler war eben alles wohl überdacht, wohl vorbereitet und klappte.
Die Telephonverbindung mußte bei dem lebhaften Feuer der feindlichen Geschütze fortwährend geflickt werden.
Die Verluste des Gegners waren anscheinend schwer; über 80 Gefangene – alle vom Regiment 462 – blieben in unserer Hand. Die eigenen Verluste betrugen an Toten 28 Mann, verwundet 4 Offiziere und 97 Mann.
Das I./L. 126 zusammen mit dem II./L. 126 blieben in der neuen Stellung und förderten ihren Ausbau mit Eifer, trotz des feindlichen Artilleriefeuers, das auch nach dem 23. Februar immer wieder mit Heftigkeit einsetzte. Die Zahl der Toten des Regiments wuchs dadurch für die Zeit des letzten Drittels vom Februar auf 29, verwundet waren 124 Mann.“


aus: „Das Württemberg. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 126 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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