Sonntag, 26. Juni 2016

26. Juni 1916


„Der 26. Juni fing besonders lebhaft an, denn um 1.15 Uhr nachts begann das Trommelfeuer gegen die Abschnitte P 5, P 6 und teilweise auch P 7; daran schloß sich eine englische Patrouillenunternehmung an und gegen 2 Uhr morgens hörte das feind-liche Artilleriefeuer ganz auf. Mit Einsetzen des Trommelfeuers hörte eine Patrouille der 9. Kompagnie, die seit Einbruch der Dunkelheit am feindlichen Drahthindernis gegenüber P 5 lag, laute englische Kommandos und sah eine feindliche Schützenlinie, 40 bis 50 Mann stark, aus dem englischen Graben steigen. Alsbald ging die Patrouille zurück und meldete dies dem Offizier vom Grabendienst, der sofort alarmierte. An unserem Drahthindernis angelangt, wurden die Engländer mit kräftigem Maschinen-gewehr- und Infanteriefeuer empfangen, während unser Artilleriesperrfeuer, herbeige-führt durch Abschuß roter Leuchtkugeln, sofort wirkungsvollst einsetzte. So zerschellte dieses Unternehmen an der Rührigkeit und Aufmerksamkeit unserer braven Truppe und der baldigsten Eröffnung des Abwehrfeuers.
Gefreiter Fetzer der 9. Kompagnie stand zu dieser Zeit auf Posten. Während der andere Mann des Doppelpostens die Besatzung alarmierte, wurde er plötzlich von den drei vordersten Engländern angegriffen, indem er mehrere Schläge auf den Kopf erhielt. Fetzer schoß nach dem ihm zunächst stehenden Engländer, der mit einem Schrei zusammensank. Die zwei anderen Engländer versuchten nun, Fetzer mit einer Mist-gabel, deren Zinken umgebogen waren, in die Höhe und aus dem Graben zu ziehen, da er sich aber kräftig zur Wehr setzte, so ließen ihn die Engländer fallen und verschwan-den in der Dunkelheit unter Mitnahme ihres verwundeten Kameraden.
Eine nach Aufhören des Artilleriefeuers ins Vorgelände abgeschickte Patrouille brachte folgende Beutestücke zurück: 2 Gewehre mit aufgepflanztem Seitengewehr. Bei einem derselben war am vorderen Laufende mittelst Gummibändern eine elektrische Hand-laterne in Röhrenform angebracht, deren vorderes Ende mit einer elektrischen Birne und Ovalglas abgeschlossen war. Mittelst einer Schnur konnte nun der Schütze im Anschlag den kleinen Scheinwerfer zur Tätigkeit bringen und dann den geblendeten Gegner mit Sicherheit abschießen. 5 Stahlhelme (darunter einer mit Offiziers- und einer mit Unter-offiziers-Abzeichen), 2 Drahtscheren, 2 Hämmer (eine Art von Totschläger), 3 Mist-gabeln mit umgebogenen Zinken, 2 Handgranaten, 1 Zeltbahn und 1 aus einem Stück Eisen roh hergestelltes dolchartiges, sehr spitzes Messer, das in einem ausgehöhlten Stück Holz als Scheide steckte. Letzteres erinnert lebhaft an die Expedition der briti-schen Nation gegen wilde Völker, obwohl sie dreist behaupten, für Menschlichkeit und wahre Kultur zu kämpfen.
Von 4 Uhr morgens setzte dann wieder heftiges Artillerie- und Minenfeuer ein gegen den Regimentsabschnitt, das in wechselnder Stärke den ganzen Tag über andauerte. Zu wiederholten Malen blies der Gegner Gas ab gegen unseren, sowie gegen die Neben-abschnitte, das aber teilweise in die feindlichen Stellungen zurückging. Um 11.00 Uhr vormittags erschienen auch starke Rauchwolken aus Krone-Nord und Krone-Süd. Zu ihrer Erzeugung scheinen sowohl ein Blasverfahren wie Nebelbomben verwendet worden zu sein. Die Rauchwolke zog gegen P 3 und P 4 und war so stark, daß die feindliche Linie dadurch der Sicht entzogen wurde.
Die Verluste, die bis jetzt ziemlich gering waren, vermehrten sich zusehends. Heutige Verluste: Leutnant d. R. Stöckle und Leutnant d. R. Ricker tot, Leutnant Münst schwer verwundet, 16 Mannschaften tot, 38 Mannschaften verwundet, 1 Mann vermißt.“


aus: „Das 10. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 180 in der Somme-Schlacht 1916“, Stuttgart 1917

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