Montag, 5. Dezember 2016

5. Dezember 1916


„Am 1. Dezember war es einem bayer. Regiment gelungen, bis an den Argesch bei Ratesci vorzustoßen. Dem Regiment fiel ein heranfahrender Kraftwagen mit zwei rumänischen Generalstabsoffizieren der 8. rumänischen Division in die Hände. Es fand sich ein Armeebefehl folgenden Inhalts: „Nachdem heute, am 30. November, die Stoß-gruppe endgültig gebildet ist, beginnt der Angriff in allgemeiner Richtung Draganesci gegen den über die Donau in das Land eingedrungenen Feind. Die 1. Armee hat die Aufgabe, in den von ihr eingenommenen Stellungen zu kämpfen und sie um jeden Preis zu halten. Weiter hat die Armee die Aufgabe, alle Kräfte des Feindes an der Front aufzuhalten und alle etwaigen Angriffe zurückzuweisen usw.“
Damit war der Schleier gelüftet. General v. Falkenhayn befahl sofort, daß die 11. bayer. Division und die 109. Inf.-Div. nach Osten abdrehen sollen, um die rumänische Stoß-gruppe zu vernichten. Generalfeldmarschall v. Mackensen ordnete aber an, daß nur die 11. bayer. Division abmarschieren solle. Den Schutz der Flanke der 11. bayer. Division übernahm die 6. Kavallerie-Division vom Korps Graf Schmettow. So marschierte die 11. bayer. Division in zwei Kolonnen am 2. Dezember ab mit einer über Blejesti – Mereni auf Rusi lui Asan, mit der anderen über Coleasca auf Clejani. Am 3. Dezember griffen die rechte Kolonne den Feind bei Bulbucata, die linke bei Mihalesci an. Die Kav.-Div. v. d. Goltz griff von Ghimpati aus, die 26. türk. Div. über Letcanoua den Feind bei Balaria an. Deutscher und bulgarischer Landsturm gingen gegen Epuresci vor. Die 1. und 12. bulg. Div., vor allem aber die heldenmütige 217. Inf.-Div. hatten standge-halten. Die rumänische Stoßgruppe wurde vernichtet; was sich nicht ergab, wurde von allen Seiten beschossen. Nur wenige entkamen nach Norden. Die Schlacht am Argesch war geschlagen und gewonnen.
Am 4. Dezember wurde die Front verkürzt. Die 12. bulg. Div. wurde nach Osten verschoben, sie ging auf Adunatii östlich der Hauptstraße nach Bukarest vor. Am 5. Dezember wurde Adunatii erreicht. Die Batterien gingen östlich des Ortes in Stellung, um von hier aus den Übergang über den Argesch vorzubereiten. Bei eintretender Dun-kelheit gaben die Batterien noch einige Salven auf das Nordufer des Argesch ab. Der Feind erwiderte aus der Fortlinie von Bukarest. Bald kam die Nachricht, daß die Infanterie der 12. bulg. Div. ohne Widerstand den Fluß überschreite. Am 6. Dezember beschossen die schweren Batterien die rückwärtigen Verbindungen des Feindes, haupt-sächlich die Straße nach Bukarest. Nachmittags kam die mit Jubel aufgenommene Nachricht, daß Bukarest in Händen der Deutschen sei. Der Einzug in die feindliche Hauptstadt blieb dem Bataillon leider versagt.“


aus: „Württembergs Fußartillerie“, Stuttgart, 1930
Bild: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand M 708

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