Donnerstag, 8. Dezember 2016

8. Dezember 1916


„Die Feuertätigkeit der Batterien erstreckte sich auf Festlegen und prüfen der verschie-denen Sperrfeuer- und Vernichtungsfeuerüberfälle. Letztere Feuerart, die in der Haupt-sache das Niederkämpfen eines in den Gräben zum Angriff bereitgestellten Gegners bezweckte, war seit einiger Zeit in die Schießvorschrift der Artillerie neu aufgenommen und häufig mit Erfolg angewendet worden. Unser Störungsfeuer richtete sich sehr viel gegen das feindliche Verkehrszentrum Morval, dessen ehemalige nur dem Eingeweihten noch feststellbare Kirche als Hauptrichtungspunkt diente und gegen die uns bekannte Mulde zwischen Morval und Frégicourt, die der Gegner zur Annäherung benutzte. Auch für die Bekämpfung auftretender Panzerkraftwagen waren damals zum erstenmal Richtlinien aufgestellt worden. Teilweise verwendeten die Batterien für bestimmte Kampfaufträge Gasgeschosse, sogenannte Grünkreuze. Zum Prüfen des Sperr- und Ver-nichtungsfeuers der seitlichen Lage nach wurden durch Leuchtzeichen in vorderer Linie die Abschnittsgrenzen der Infanterie von den Beobachtungsstellen durch genaues An-schneiden festgelegt. Der Gegner beschoß häufig unsere Infanteriestellungen, besonders die Bereitschaften im Mesnilriegel. Mit Vorliebe aber streute er das Hintergelände häufig mit Gasgeschossen und die Artilleriestellungen meistens mit Verzögerungsge-schossen mittelschweren Kalibers ab, richtete aber auch oft stunden-, ja tagelanges Zerstörungsschießen gegen unsere genau erkannten Batterien unter Fliegerbeobachtung. Wiederum wurde die vom Unglück so häufig heimgesuchte 3./49 besonders mitgenom-men. Am 8. Dezember traf ein Verzögerungsgeschoß bei 3./49 den Verbindungsstollen zwischen zwei Stollenschächten, so daß dieser und der Eingang verschüttet wurden. Die darin befindlichen Leute, darunter der so tapfer bewährte Vizewachtmeister Schrade*, der tüchtige Sanitätsunteroffizier Lemple*, der Unteroffizier Bolz und die braven Kanoniere Jäger, Wiget, Moll, Kranzegger, Schmidtbauer* kamen dabei ums Leben. Von den unerschrocken in der noch lange anhaltenden schweren Beschießung zur Rettung herbeigeeilten Kameraden wollte der Kanonier Besenfelder zuerst in den halbeingestürzten Stolleneingang hinuntersteigen und brach dabei durch; er konnte von den andern noch geborgen werden, war aber durch die giftigen Kohlenoxydgase getötet worden. Die Rettungsarbeiten wurden bei Nachlassen der Beschießung mit unsäglicher Mühe bei steter Lebensgefahr fortgesetzt, mußten aber am nächsten Tage als völlig erfolglos eingestellt werden. Die Unglücklichen hatten ihr tiefes Grab gefunden. Ein schlichtes Kreuz wurde später darauf errichtet. Kränze schmückten den Eingang und daneben taten die Kameraden ihren schweren Dienst, häufig den Tod vor Augen, weiter.“


aus: „Das 3. Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 49 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

*laut. Württ. Verlustliste Nr. 530: Vizewm. Schade, San.-Uffz. Lembcke, Kan. Schmidbauer

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