Dienstag, 6. Dezember 2016

6. Dezember 1916


„Rittmeister Renner berichtet über die folgenden Ereignisse: „Die Brigade hatte den Auftrag über Otopeni in südlicher Richtung vorzugehen, um diese Gegend vom Feinde zu säubern. Die 1. Eskadron klärte vor Otopeni nach Süden auf. Eine Offizierpatrouille unter Leutnant Jenisch (Roland) befand sich schon im Vorgelände. Diese hatte von mir Befehl bekommen, festzustellen, ob das Fort bei Otopeni noch vom Gegner besetzt sei. Kaum hatte die Eskadron beim Durchschreiten von Otopeni die letzten Häuser der Ortschaft erreicht, als vorne einzelne Schüsse fielen. Die Spitze hielt. Zugleich sah ich die Patrouille Jenisch etwa 1½ Kilometer vorwärts auf die Eskadron zurückgaloppieren. Ein Meldereiter jagte heran und meldete, Stärke etwa 1½ Bataillone. Die Patrouille war auf 50 Meter auf den scheinbar ahnungslosen Gegner gestoßen, der nach Rumänenart im Straßengraben, gegen den Wind geschützt, sich eingebuddelt hatte. Leider hatte der Unteroffizier Klotzbücher dabei einen Bauchschuß erhalten. Jetzt sah ich auch, wie ein Dragoner von 2 Kameraden rechts und links im Sattel gestützt im Galopp zurückge-bracht wurde. Gleichzeitig wurden auf etwa 2 Kilometer rumänische vorgehende Schützen erkannt. Hierauf zog ich die Eskadron hinter die Häuser in Deckung und jagte zum Brigadekommandeur Oberst Wehl zurück, um ihn über die Lage zu orientieren, zugleich mit dem Vorschlag, den Ostrand von Otopeni mit Schützen und Maschinen-gewehren zu halten. Sei es nun, daß ihm der Gegner schon zu nahe heran war, oder die eigene Truppe zu weit ab, Oberst Wehl entschloß sich, die Ortschaft nicht zu halten und mit der Brigade an die nächstgelegene Bodenwelle zurückzugehen. Ich bekam den Befehl: Nachhuteskadron, Deckung des Abzuges der Brigade. Mit meinem Trompeter jagte ich zur Eskadron zurück und ließ zum Gefecht zu Fuß absitzen und die Handpferde in Deckung bringen. Da die Ortschaft wie überall in dieser Gegend sehr weitläufig gebaut war, mußte ich mich darauf beschränken, einen Teil des Ortsrandes zu besetzen, der übrige Teil des Ortes wurde durch Patrouillen beobachtet. Mit Visier 800 wurde das Feuer auf den vorgehenden Gegner eröffnet, den ich auf ungefähr ein Bataillon schätzte. Sofort wurde unser Feuer drüben fühlbar. Der Feind legte sich hin und kam nur noch mit Teilen weiter vor. Doch auch wir waren erkannt worden, die gesamte feindliche Geschoßgarbe ging jedoch viel zu hoch über unsere Köpfe hinweg. Was ich befürchtet hatte, trat nun ein. Der Gegner versuchte die Eskadron links zu umfassen und den unbesetzten Teil des Dorfes zu erreichen. Schon trafen bei mir entsprechende Meldungen ein. Mittlerweile waren ungefähr 20 Minuten vergangen. Ich konnte annehmen, daß die Brigade inzwischen ihre neuen Stellungen erreicht hatte. Auch kam zu dieser Zeit vom Regimentskommandeur der Befehl, das Gefecht abzubre-chen. Einzeln wurde an die Pferde gegangen und aufgesessen. Leider war der brave Unteroffizier Klotzbücher seiner schweren Verwundung inzwischen erlegen. Ich wollte die Leiche noch rasch bestatten lassen, doch es war zu spät. Der Gegner war in die Ortschaft eingedrungen und schon schlugen aus nächster Nähe die Geschosse in die Eskadron ein. Ein unangenehmer Moment, doch ein Galopp von 500 Metern entzog uns dem feindlichen Feuer, rasch wurde die Ordnung wieder hergestellt. Wunderbarerweise waren nur 2 Dragoner und 3 Pferde leicht verwundet worden. Die Stimmung der Leute war freudig erregt. Dies echt kavalleristische Nachhutgefecht war ganz nach ihrem Geschmack.““


aus: „Mit den Olga-Dragonern im Weltkrieg“ Stuttgart, 1920

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