Montag, 10. April 2017

10. April 1917


„Etwas früher als wir angenommen hatten, war am 9. April der erwartete Angriff der Engländer an der Arrasfront losgebrochen. Die dort recht beträchtlichen Anfangserfolge unserer Gegner hatten bei der geringen Entfernung dieses Frontabschnitts natürlicher-weise eine Gefährdung unseres Abschnitts zur Folge. Besonders unangenehm war es, daß die feindliche Angriffsrichtung unmittelbar in unsere Flanke, ja sogar in unseren Rücken führte. Es galt für die 27. Division, sorgsam auf der Hut zu sein, wenn auch zwischen der angegriffenen Front und der unsrigen 2 – 3 Divisionsbreiten lagen und herangeführte Reserven bei Arras zunächst dem Feinde ein weiteres Vordringen ver-wehrten. Jeden Augenblick konnte aber eine Verbreiterung der feindlichen Angriffsfront in Richtung Cambrai frontale Angriffe auf die Division zur Folge haben oder weiterer feindlicher Geländegewinn vor Arras nach Osten hin ein Eingreifen der Division nach der rechten Flanke erforderlich machen. Die Tatsache, daß vor den Gräben des Regi-ments und seiner Nachbarn – rechts 220. Division, links Regiment 124 – bis zum 9. April noch kaum ein feindlicher Infanterist, geschweige denn ein feindlicher Graben zu erblicken war, ließ uns zunächst die Gefahr der Verbreiterung etwas unglaubhaft er-scheinen. Am 10. April, 5.45 Uhr vormittags, griff nach etwa einstündiger heftiger Feuervorbereitung ein englisches Bataillon, das bei Nacht unauffällig in den vielen Hohlwegen vor unserer Front bereitgestellt worden war, bei Bullecourt an. Es gelang ihm, da unsere vorgeschobenen Posten und Patrouillen sich im Trommelfeuer in die hinter einem Hang liegenden Gräben hatten zurückziehen müssen, überraschend vor unserem Drahthindernis aufzutauchen. Unser gut liegendes und rechtzeitig einsetzendes Artilleriefeuer, sowie wohlgezieltes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer der sofort kampfbereiten Grabenbesatzung riß große Lücken in die anstürmenden Reihen der Engländer, die, bald das Aussichtslose ihres Tuns einsehend, schleunigst zurückfluteten. Sieben Engländer, die größtenteils verwundet im Drahthindernis liegen geblieben wa-ren, wurden als Gefangene geborgen; sie verschafften uns durch ihre Aussagen wichtige Aufschlüsse über die feindlichen Absichten und die Truppenverteilung. Ein neues Kampfmittel, der sogenannte Gasminenwerfer, das unsere Gegner hier zum ersten Male in Anwendung brachten, verursachte leider beim Regiment, besonders bei seinem I. Bataillon, einen bedeutenden Ausfall an Gastoten und Erkrankten. Da unsere Leute fremd dieser Waffe gegenüberstanden, wußten sie sich in der Mehrzahl nicht in der richtigen Weise gegen ihre verheerende Wirkung zu schützen. Die Abwehr des eigent-lichen Infanterieangriffs kostete uns fast keine Verluste.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württemb.) Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1922


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