Samstag, 15. April 2017

15. April 1917


„Die schwere Niederlage, die sich der Gegner am 11. geholt hatte, hat ihn zu vermehrter artilleristischer Kampftätigkeit im Divisionsabschnitt veranlaßt und systematisch be-kämpfte er von da an die vorderen Stellungen, wie die Batterien. Auffallend war nur die geringe Tiefe des gegnerischen Artilleriefeuers am Südflügel der Arrasfront, so daß sogar Villers Cagnicourt, das noch nicht einmal 6 km hinter der vorderen Linie lag, wochenlang unbeschossen war, trotzdem es dort von Truppen wimmelte. Auch von Bombenwürfen blieb es verschont, wenngleich sich die Flugtätigkeit mit Beginn der Großkämpfe dieses Jahres zu bisher nicht genannter Stärke gesteigert hatte. Die deut-sche Fliegerei stand damals auf ihrer Höhe. Neue Apparate, die den Gegnern deutlich sichtbar überlegen waren, tauchten auf und an klaren Tagen konnte man dutzende deutscher Luftsiege beobachten, wie sie später weder der Zahl noch der Schnelligkeit nach wieder erreicht wurden. Außer der Beobachtung und Feuerleitung war allmählich auch die Bekämpfung von Erdzielen in den Aufgabenkreis der Flieger getreten und stundenlang kreisten niedrig fliegende Flugzeuge über den Stellungen, sie mit Maschi-nengewehrfeuer und Bombenwürfen angreifend. Das ewige Summen über den Gräben war für die Truppe sehr unangenehm und beunruhigend, aber das Bewußtsein, selbst mit den gefürchteten Tanks fertig geworden zu sein, ließ auch diese Belästigung mit Gelas-senheit ertragen und zuversichtlich sah man der Zukunft entgegen. Die gegnerische Infanterie verhielt sich unterdessen untätig und erst nach einem am 15. April früh deutscherseits ausgeführten Vorstoß der beiden Divisionen links von uns sah man ihn rege schanzen und an einzelnen Punkten auch Drahthindernisse ziehen. Im übrigen sparte der Gegner seine infanteristischen Kräfte auf und nicht einmal von einer Patrou-illentätigkeit war etwas zu spüren.“


aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

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