Mittwoch, 19. April 2017

19. April 1917


„Durch die rastlose Tätigkeit des Regiments, das hierbei bis zum 16. April vom Batail-lon Völter (I./121), bis zum 18. April von der 3. Pion. 29 und von da ab durch einen Zug der 1. Pion. 13 tatkräftig unterstützt wurde, wuchs sich die Stellung des Regiments an der Scarpe nach und nach zu einer wirklichen Verteidigungsstellung aus, eine Bezeich-nung, die ihr am Tage des Einsatzes des Bataillons Brandt noch nicht gebührte.
Das erbitterte feindliche Artilleriefeuer und die zahlreichen Beschüsse mit Gasgranaten zwangen zu mehrfachen kleineren Änderungen des eingangs näher skizzierten Stel-lungssystems von der vorderen Linie bis zur 2. Stellung. Ein wesentlich anderes Bild wurde dadurch nicht hervorgerufen.
Auch der K.-T.-K. mußte verschiedentlich seine Befehlsstelle wechseln. Es war äußerst wichtig, daß er mit seinem Stabe nicht dauernd feindlichen Granaten ausgesetzt blieb, denn auf ihm lastete die größte Verantwortung, mit ihm stand und fiel die Verteidigung der vorderen Linie.
Nach Vitry hineinsausende schwere Kaliber ließen es ratsam erscheinen, wenigstens zeitweise, trotz kalter Witterung, die schlechten Quartiere mit noch schlechterem Biwak zu vertauschen. Einem Volltreffer in Vitry fiel bedauerlicherweise Stabsarzt d. L. Dr. Schäfer zum Opfer, der stellvertretenderweise für den zum Gaskurs nach Berlin kom-mandierten Stabsarzt Dr. Levy den Dienst als Regimentsarzt versah. Feldhilfsarzt Langhoff wurde verwundet.
Der Regimentsstab wurde sehr rasch aus Biache-Süd herausgeschossen; diese Häuser-gruppe hob sich auch gar zu verlockend für die feindlichen Feuerschlünde im Gelände ab. Aber wohin sollten wir auswandern? Guter Rat war teuer. Doch unsere suchenden Bemühungen sollten nicht erfolglos bleiben. An dem Wege Biache – Sailly in der Nähe eines fischreichen Weihers südlich Biache, stand ein leerer Möbelwagen. Er trug die weithin sichtbare Aufschrift „Victor François Lille.“ Jäh und unliebsam war ein beab-sichtigter Umzug durch die Geschosse der eigenen Landsleute hier offenbar vereitelt worden.  Drei Bettstellen, ein Tisch und ein Ofen waren bald herbeigeschafft und kaum eine halbe Stunde dauerte es, bis der Telephonapparat von Biache in den Möbelwagen verpflanzt worden war – fertig war die „Laube“. Ein Gefechtsstand, ganz anders wie in Rocquigny, aber wiederum eigenartig. Er hat sich als durchaus praktisch erwiesen. Als die feindlichen Granaten in den Biacher Weiher hineinfahrend, den Möbelwagen mit Wasser überschütteten, verschwand er einige hundert Meter seitwärts, ohne daß hier-durch der Dienstbetrieb auch nur einen Augenblick gestört worden wäre.


aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–
1918“ׅ, Stuttgart 1923


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