Sonntag, 2. April 2017

2. April 1917


„Im Laufe des 1. April steigerte sich das gewöhnliche Streufeuer zu einer bisher nicht erreichten Heftigkeit (im ganzen etwa 4000 Schuß, darunter etwa 500 mittleren und schweren Kalibers bis zu 21 Zentimeter), ohne daß aber ein Angriff folgte, ja in der Nacht blieb es sogar auffallend ruhig. Aber 4.55 morgens setzte plötzlich stärkstes Trommelfeuer aller Kaliber auf der ganzen Front ein und um 5.05 morgens erschien die erste Angriffswelle. Diese sowie die beiden folgenden brachen in dem zusammen-fassenden Feuer der Artillerie, der Vorpostierungen und der Maschinengewehre zusam-men. Schließlich mußten sich die Vorpostierungen auf die Feldwachen zurückziehen und hier wogte der Kampf lange Zeit erbittert hin und her. Hätte der Feind nur frontal angreifen können, so wäre es den beiden tapferen Kompagnien noch lange Zeit möglich gewesen, die Stellungen zu halten, offenbar aber ist es ihm gelungen, ohne besonderen Widerstand zu finden über Noreuil und an Croisilles vorbei gegen Flanke und Rücken der Verteidiger von Ecoust vorzugehen, denn schließlich erschien er auf der Höhe nord-östlich Ecoust, die 10. Komp. dadurch stark bedrohend und in dem Gelände zwischen den beiden Straßen Ecoust – Bullecourt und Ecoust – Croisilles, eine starke Gefahr für die 12. Komp. Die Folgen machten sich sofort bemerkbar. Die Feldwache 1 der 12. Komp. unter Leutnant Morasch, welche am Ausgange nach Croisilles lag und von der Feldwache 2 derselben Kompagnie am Südwestausgange mindestens 1 Kilometer entfernt war, Wurde erst frontal, dann auch in der linken Flanke angegriffen, wies aber alle Angriffe restlos ab. Erst als zwischen Croisilles und Bullecourt ganze feindliche Kolonnen erschienen, da wurde die Lage ernst, aber wacker wehrten sich die Tapferen trotz aller Umklammerung und noch um 6.30 vormittags hörte man von dort her heftiges Infanterie- und Handgranatenfeuer, dann aber wurde es still dort, jede Verbindung war abgeschnitten und es ist anzunehmen, daß diese Helden bis zum letzten Blutstropfen für ihr Vaterland gekämpft haben.
Nun war es höchste Zeit Ecoust zu räumen, wollte man sich nicht einer Katastrophe aussetzen, und mit großem Geschick und viel Umsicht ordnete der ältere der beiden  Kompagnieführer, Leutnant d. R. Teuffel (12. Komp.), den Rückzug nach dem Bahn-damm an, wobei noch alle Verwundeten mitgenommen werden konnten. Dort wurde wieder Front gemacht, aufgenommen durch Unterstützungen der 9. und 11. Komp. und aufs kräftigste unterstützt durch den an der Bahn eingebauten Zug der 5. Batterie Res.-Feldart.-Reg. 26, der zum Schluß noch über Kimme und Korn bis zum völligen Verschießen der Munition auf nachrückende starke englische Reserven sein Feuer abgab. Die Geschütze wurden später durch unsere Infanterie zurückgeschafft. Da der Bahndamm nicht zu halten war und die Kompagnien unter starkem schwerem Artil-leriefeuer litten, so wurden sie gegen 11 Uhr vormittags nach der Siegfriedstellung zurückgezogen. Von da ab hörte die Vorpostensicherung auf und die in der Siegfried-stellung befindlichen beiden Bataillone mußten die Aufklärung nach dem Feinde durch je 3 Offizierpatrouillen mit 60 Mann unterhalten.

aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921


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