Montag, 19. November 2018

19. November 1918



Wilhelm Schiefer, Sohn des Kanzleirats Schiefer hier und in Ellwangen geboren ist 1915 als ungedienter Landsturmmann eingezogen worden. Nach seiner militärischen Ausbildung meldete er sich nach kurzer Verwendung in der Heimat dem Trieb seines Herzens folgend freiwillig zur Übernahme, Einrichtung und Leitung von deutschen Soldatenheimen in Konstantinopel und in Syrien. Manchem deutschen Soldatenherzen hat er in feinem Verständnis für die äußeren Bedürfnisse der Jugend in seinen Soldaten-heimen die ferne Heimat ersetzt und Geist und Gemüt nachhaltig gestärkt. Durch die Entwicklung der kriegerischen Ereignisse genötigt, suchte auch er Anfang November 1918 die deutsche Heimat zu erreichen. Von Konstantinopel aus ging die Fahrt über das Schwarze Meer in die Ukraine. Schon in Konstantinopel kränkelnd, verschlimmerte sich sein Zustand auf der Bahnfahrt unter dem Einfluß von Kälte und äußerst mangelhafter Ernährung zusehends. In der Nähe von Kiew angelangt, mußte er am 17. November unterwegs in Faßtow ausgeladen und der Ortskrankenstation daselbst überwiesen werden, während seine Reisegefährten die Bahnfahrt durch Rußland hindurch fortsetz-ten. Schon am 19. November starb er daselbst an schwerer Lun-genentzündung und wurde auf dem katholischen Friedhof beigesetzt.
Er hat die heiß ersehnte irdische Heimat nicht wieder gesehen, aber gewiß die himm-lische Heimat gewonnen bei dem Herrn über Leben und Tod, dem er im ganzen Leben hindurch in treuem Dienst schon vor dem Krieg als Sekretär des Vereins Christlicher Junger Männer in Stuttgart ergeben war.
Um ihn trauern die Eltern, die Geschwister und eine junge Frau mit zwei jugendlichen Knaben. In einem Alter von 38 Jahren ist er ein Opfer des Krieges geworden und ihnen entrissen worden, nachdem noch viele Hoffnungen für ein segensreiches Wirken an ihn sich knüpfen durften. Gott der Herr vollende den Heimgegangenen und leite seine Hinterbliebenen ihm nach auf ewigem Wege, damit sie mit ihm in der Ewigkeit wieder-finden, was ihnen hier versagt blieb.“

aus: „Kriegs-Chronik der evangelischen Gemeinde Ellwangen 1914–1918.“, Ellwangen 1920

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