Freitag, 10. April 2015

10. April 1915


„So lebte sich die Truppe immer mehr in den Wald hinein und auf Wochen abgeschlossen von der Außenwelt führte sie ein eigenartiges aus Kampf und Romantik bestehendes Waldleben, zu dem sie sich selbst die Bedingungen geschaffen hatte. Fremder Einfluß blieb aus dem Wald verbannt und was gearbeitet wurde, entsprang der eigenen Initiative und Erfahrung. Längst schon hatte man sich mit den Tücken und Launen des Waldes ausgesöhnt; jeder kannte die „Wechsel“ der französischen Artillerie und hatte ein feines Gefühl dafür, wo einem Gefahr drohte. Aber trotz allem riß das feindliche Feuer immer wieder schmerzliche Wunden in die Reihen der Kameraden.  Einmal schlug im März beim Arbeitsdienst eine Granate in einem Verbindungsweg nicht weniger als 7 Leute der 3. Kompagnie tot, ein andermal fiel Leutnant d. R. Hieber an der Schießscharte, wie er eben auf den Gegner anlegte; ebenso traf ein verirrter Querschläger Leutnant d. R. Bühler tödlich in den Kopf, als er an der Sappe stehend eine Pioniertafel über deren Länge las. Einmal trug auch in mitternächtlicher Stunde Unteroffizier d. R. Strehle von der M.-G.-Kompagnie seinen gefallenen kriegsfreiwilligen Bruder in 20 Minuten zum Waldfriedhof hinauf, legte ihn dort nieder und kehrte auf seinen Posten zurück. Blutige und mühselige Wochen für die Truppe, ruhige genannt im Gesamtbild des Krieges!“

aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

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