Donnerstag, 30. April 2015

30. April 1915


„„Frühling in Flandern!“ – Welches Meer freudiger und ernster Erinnerungen mögen diese Worte bei so vielen Kämpfern der Westfront wecken? Auch uns 248ern sollte der Wonnemonat 1915 Erhebendes und Schweres zugleich bringen. Warme Frühlingssonne bekämpfte siegreich alltägliche Frühnebel, die letzten Überbleibsel des nassen April. Ganz vorsichtig wagten sich Anemonen hervor, aus den Baumresten des Polderhoek„waldfriedhofes“ sprießte kümmerlich erstes Grün. Kein Wunder, wenn das Erwachen der Natur bei Freund und Feind den im Menschen schlummernden Wandertrieb und neue Hoffnungen weckte.
Heftige Feuerüberfälle und vermehrte Artillerietätigkeit von drüben ließen Zweifel aufkommen: sollte es Verschleierung des Rückzuges oder Vorbereitung eines Angriffs bedeuten? Aber auch wir waren tatendurstig und angriffslustig. Unsere Bataillone hatten das verlustreiche Hin- und Herpendeln zwischen den Ruhestellungen Becelaere – Terhand und den Aufenthalt in der nassen Polderhoek- und Sandsackstellung gründlich satt.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

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