Samstag, 25. April 2015

25. April 1915


„Die lebhaften Kämpfe, die sich dem geglückten deutschen Gasangriff bei Langemark anschlossen, blieben auch für die Artillerie der 54. Res.-Division nicht ohne Auswirkung. Soweit die Infanteriestellungen im bisherigen Abschnitt eine Artillerieschwächung vertragen konnten, wurden Batterien aus ihren bisherigen Stellungen herausgezogen, um neue Feuerstellungen im nördlichen Teil des Divisionsabschnittes zu beziehen und sich am Artilleriekampf im Norden beteiligen zu können. Ungern verließ die 7. Batterie damals ihre Feuerstellung bei Zuidhoek südlich Becelaere, wo die Geschütze teils in, teils neben einem gemütlichen Bauernhaus mit warmem, tief herabhängendem Strohdach gestanden hatten, das in den letzten Monaten wenn auch enge, so doch trockene und so gut wie unbeschossene Unterkunft gewährt hatte, und folgte dem schon einige Tage vorgeschobenen Geschütz in eine ausgebaute Heckenstellung bei Droogenbroodhoek südwestlich Moorslede.
Der Frühling regt sich nun mit Macht: alles steht in schönster Blüte und das Wetter ist herrlich. Nicht immer zu unserer Freude, den der „Brettlessepp“ ist an solchen Tagen unheimlich frech und neugierig, und dabei müssen wir schießen, was das Zeug hält. Am 25. April haben wir die feindliche Stellung sturmreif geschossen; dabei ist auf Beobachtung im Graben kriegsfreiwilliger Unteroffizier Gustav Kramer aus Stuttgart gefallen; von einem vereinzelten Schrapnell mit vier Kugeln in den Kopf getroffen sank er auf der Stelle tot um. Wir haben ihn, der uns allen durch sein fröhliches, bescheidenes Wesen immer ein besonders lieber Kamerad gewesen war, nachts hereingeholt. Er wurde auf dem Kirchhof in Stuttgart im Beisein vieler 54er begraben.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 54 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1929

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