Sonntag, 26. April 2015

26. April 1915


„Am 22. April blies das XXIII. und XXVI. Reserve-Korps zum erstenmal an der Westfront Gas gegen die feindlichen Linien.
Herzog Albrecht gab das Zeichen zum Angriff, als der Wind von den britischen Inseln herkam und Franzosen und Kanadiern ins Gesicht wehte. Im Morgengrauen eröffneten die deutschen Batterien das Feuer und um fünf Uhr zischte das Gas aus den Röhren. Die grünen Schwaden krochen in die feindlichen Gräben, strichen durch die Batteriestellungen und wallten bis Boesinghe. Überall verbreiteten sie taumelndes Entsetzen. Vom Tod dahingerafft lagen in den Gräben die Verteidiger und hinter den Geschützen die Kanoniere, Von panischem Schrecken erfaßt, wichen die Franzosen über den Kanal nach Süden und gaben Steenstrate, Het Sas und Pilkem preis. Auch Langemark fiel in deutsche Hand.
Die linke Flanke der Kanadier lag in einer Tiefe von drei Kilometer aufgerissen. Die Artillerie mußte mehr als fünfzig Geschütze stehen lassen, darunter die zweite Londoner Batterie, welche in den vergangenen Wintermonaten den Houthulsterwald zu Kleinholz zerschlagen hatte.
Nun griff Herzog Albrecht nach links aus und packte die britische Hauptstellung südlich von Wallemolen an. Teile der 54. Reserve-Division nisteten sich auf dem Kamm östlich von Gravenstafel ein und trieben Kanadier, alt englisches Fußvolk und abgesessene Gardereiter vor sich her.
Von der 54. Reserve-Division waren daran beteiligt die Korps-Reserve bildenden Bataillone der Regimenter 245, 246 und 247.
Es wurde das Regiment von Hagendorff gebildet, bestehend aus III./245, II./247 und 3., 4. und 9. Kompagnie 246. Die Kompagnien von 246 standen unter dem Kommando von Hauptmann Kölle. Die Abteilung Kölle rückte am 24. April 1915, 3 Uhr vormittags aus der Fabrik Dadizeele nach Moorslede ab. Dort Formierung des Regiments von Hagendorff als Korps-Reserve.
5.30 Uhr nachmittags Abmarsch des Regiments, Reihenfolge 245, 247, 246 über Paschendaele nach Gehöft etwa einen Kilometer südlich von Spriet. Hier wurde aus den Feldküchen verpflegt und die Truppe untergebracht. Am 25. April 1915, 4 Uhr vormittags, war das Regiment Hagendorff zum Angriff am Paddelbeek in südlicher Richtung angesetzt.
9.30 Uhr vormittags wurde der Angriffsbefehl jedoch zurückgezogen. Das Regiment marschierte 10.30 Uhr vormittags nach Poelkapelle. Gegen Abend wurde der Gegner auf der ganzen Poelkapelle-Front angegriffen und aus seiner Stellung gedrängt. Das Bataillon Kölle wurde hinter den Abschnitt westlich von Wallemolen vorgezogen. Der in südwestlicher wie südöstlicher Richtung zurückweichende Feind, durch seine Reserven verstärkt,  hielt den weiteren Ansturm der deutschen Angriffswellen auf. Das aus zwei Richtungen flankierende englische Feuer führte anscheinend für die Angreifer zu Unklarheiten über die Angriffsrichtung und im Zusammenhang damit entstanden größere Lücken in der Front. In dieser Lage wurde das Bataillon Kölle zur Aufklärung und Verstärkung der deutschen Linien am Abend des 25. April eingesetzt.
7.30 Uhr nachmittags ging die 3. Kompagnie unter Oberleutnant Irion in südlicher Richtung gegen die Höhen der Straße Mosselmarkt-Fortuin vor. Dorthin hatte sich der Gegner zurückgezogen. Heftiges Maschinengewehr- und Infanteriefeuer schlug den vorgehenden Schützenlinien entgegen.
Die 4. Kompagnie schwärmte mit einem Zug in die Schützenlinie ein und verlängerte den linken Flügel der 3. Kompagnie. Mit Einbruch der Dunkelheit drang dieser Zug in die feindliche Hauptstellung ein und besetzte das davor liegende Gehöft A. Die 3. Kompagnie war inzwischen etwa 800 Meter über die feindliche Hauptstellung hinausgestoßen. 400 Meter nördlich des Straßenkreuzes Buit nahm sie Front nach Südosten. Starkes Maschinengewehrfeuer von vorne und aus der rechten Flanke machte ein weiteres Vorgehen unmöglich.
Die beiden restlichen Züge der 4. sowie der 9. Kompagnie blieben in Reserve.
Während der Nacht lag die 3. Kompagnie innerhalb der deutschen Linien am weitesten vorne, wurde von zwei Seiten befeuert und hatte große Schwierigkeiten, den Anschluß aufrecht zu erhalten. Am 26. April lief von ihr die Meldung ein, daß infolge des starken Nebels und der herrschenden Dunkelheit die Verbindung nach rechts (R.I.R. 247) und nach links (R.I.R. 245) abzureißen drohe. Daraufhin ging 2.30 Uhr vormittags die 9. Kompagnie zur Verstärkung vor.
Nach Klärung der Lage durch Patrouillen nahm die 3. Kompagnie den vom Gegner besetzten Höhenkamm nebst einigen Gehöften. Es kam hierbei zu einem kurzen Handgemenge, wobei der Gegner etwa siebzig Tote und Verwundete verlor. Ein kanadischer Offizier und zwei Mann wurden gefangen genommen. Die neu erreichte Linie wurde sofort ausgebaut. Sie bot auf dem beherrschenden Höhenkamm ein ausgezeichnetes Schußfeld bis über die Straße Zonnebeke-Langemark hinaus. Die 9. Kompagnie war inzwischen gleichfalls bis zur Höhe vorgedrungen. Einen Versuch des Gegners, die verlorenen Gräben wieder zu besetzen, wies sie zurück. Auch durch die tapferen Kämpfer der 9. Kompagnie wurden dem Gegner große Verluste zugefügt.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 246“ Stuttgart, 1931



aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1923

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