Samstag, 18. April 2015

18. April 1915


„Liest man die Bataillonstagebücher der nächsten Monate durch, so erzählen sie jeden Tag vom April an von täglichen und nächtlichen Schießereien der Infanterie, von Patrouillengeplänkel, denn fast jede Nacht suchen unsere Patrouillen das feindliche Drahthindernis ab. Sie berichten Tag um Tag von den nie ruhenden Artilleriekämpfen, von Beschießung der Schützengräben und der Orte durch französische Artillerie, die zum Teil 22 cm-Kaliber aufwendet, sie erzählen von der Vergeltung dieses Feuers durch unsere Artillerie, die die Franzosen in ihren nächtlichen Arbeiten ebenso stört, wie jene es uns machen. Nacht um Nacht liegen die Anfahrtsstraßen unter französischem Feuer und der Bagage ist es nicht leicht gemacht, ihre langen, schweren Wagenzüge unbehelligt in die Orte vorzubringen. Die Franzosen stören oft mit ihren Revolverkanonen mit dem Kaliber von 3,7 Zentimeter. Die kleinen zierlichen Geschosse tun nicht viel Schaden, explodieren so oft nicht und geben so hübsche Briefbeschwerer ab, wenn man sie ausgräbt und die Zünder entfernt. Glücklicherweise sind die Verluste an Menschenleben trotz allem äußerst gering. Es liegt das vor allem daran, daß mit fieberhafter Eile die Mannschaftsunterstände so gebaut werden, daß man sicher darin sitzen kann, wenn’s draußen prasselt und knallt.“


aus: „Das Württembergische Landwehr-Inf.-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart, 1923

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