Sonntag, 11. Oktober 2015

11. Oktober 1915


„Von größter Bedeutung wurde im Stellungskrieg der Gesundheitsdienst. Die erforder-lichen Maßnahmen ließen sich hier viel vollkommener durchführen als im Bewegungs-krieg. Sauberhaltung des ganzen Divisionsabschnitts wurde durch Beseitigung der Abfallstoffe, Anlage von Latrinen, Abfuhr der Küchenabfälle sowohl in den Stellungen, wie in  den rückwärtigen Unterkünften erreicht. Sodann war von höchster Wichtigkeit die Beschaffung einwandfreien Wassers zum Trinken, Kochen, Waschen. Dieses Pro-blem wurde in großzügiger Weise angefaßt und durchgeführt durch eine Wasserkom-mission, welcher ein Hygieniker (Stabsarzt Dr. Holle vom Inf.-Regt. 120) mit 1 Tech-niker, 2 Brunnenmachern, 2 Flaschnern angehörte.  Von ihrer Tätigkeit wird noch aus-führlich die Rede sein. Auch für Badegelegenheit wurde im Frühjahr 1915 gesorgt und in den zur Aisne fließenden Waldbächen der Argonnen Badeanstalten gebaut. Die 4 Infanterieregimenter richteten sich je eine Limonadenfabrik ein, welche täglich 1500 – 2000 Flaschen lieferten. Diese standen ebenso wie die Divisionsschlächterei, die Aufbe-wahrung des Fleisches und der übrigen Nahrungsmittel in Kühlräumen bei der Truppe unter dauernder ärztlicher Aufsicht. Die tierischen Abfallstoffe wurden vor ihrer Besei-tigung mit Chlorkalk desinfiziert. Die schleunige Durchführung all dieser Maßregeln und Einrichtungen war deshalb so sehr dringend, weil die Division sich in einem franzö-sischen Gebiet befand, wo Typhus endemisch war. In Frankreich gab es nicht, wie im deutschen Teil von Lothringen, eine wirksame Typhusbekämpfung aus staatlichen Mit-teln, und mit der Wasserversorgung und Beseitigung der Abfallstoffe sah es trübe aus. Freilich stand – wie es sich im weiteren Verlaufe des Krieges zeigte – Französisch-Lothringen hierin keineswegs sehr weit hinter dem übrigen Frankreich zurück.
Unter diesen Verhältnissen war es gar nicht zu vermeiden, daß vielfach Typhuserkran-kungen auftraten, deren Zahl allerdings mit dem Ausbau der Wasserversorgung und der übrigen hygienischen Einrichtungen unter starker Mitarbeit und Aufsicht aller Ärzte immer mehr abnahm.“


aus: Das Sanitätswesen im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1924

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