Sonntag, 25. Oktober 2015

25. Oktober 1915

Leutnant Ernst Faber (stehend) und sein Bruder Fritz (geb. 9. Januar 1896 in Berlin, 
gefallen am 31. Oktober 1914 bei Messines als Fahnenjunker beim Grenadier-Regiment „Königin Olga“)
Bild: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand M 708

„Der Vormarsch am 24. Oktober 1915 von einer Schlucht zur anderen war, nachdem es wieder die ganze Nacht geregnet hatte, in eisigem Regensturm und über angeschwollene Bäche schwierig und anstrengend. Das Gelände selbst war für den Feind zu Feuer-überfällen und Überraschungen gegen uns wie geschaffen, doch er nutzte diesen Vorteil nicht genügend aus.
Nach kurzem Aufenthalt durch feindliches Feuer gewinnt die Vorhut der Division die Höhen 365 und 388, 4 – 5 Kilometer südlich und südöstlich Vencani. Von dort aus sah man die Serben bei ihrem Rückzug südöstlich Progoreoci die Vagan- und Orlovica-Berge hinaufsteigen. Hier mußten wir wohl auf ernsthaften Widerstand stoßen. Der Himmel war uns inzwischen wieder freundlicher gestimmt; der Regen hatte aufgehört. Eulen strichen in der Dämmerung über die Täler. Bei herrlichem Mondschein zeichne-ten sich die Umrisse der Berge und Wälder scharf in dem Silberlicht ab.
Am 25. Oktober in der Frühe stand die 26. Inf.-Division und die 44. Res.-Division angriffsbereit gegen die Höhen südlich und südöstlich Progoreoci. Die deutschen Mörser, Kanonen und Haubitzen senden ihre Grüße zum Feinde hinüber; vielfach bricht sich das Echo des Artilleriefeuers in den Bergen, Rauch- und Erdsäulen steigen in den feindlichen Stellungen empor. Indessen klettert die deutsche Infanterie oft in Reihen  und fast unsichtbar die bewachsenen Berghänge zum Feinde empor, der, vorzüglich im Gelände versteckt, da und dort seine Gewehre und Maschinengewehre spielen läßt.
Während des Anstieges gegen den östlichen Teil des Vagan-Berges erhalten die Grena-diere vom Orlovica und westlichen Vagan sehr lästiges Flankenfeuer; hierbei erlitt der tapfere Leutnant Faber (9.) gegen 2 Uhr nachmittags den Heldentod.
Gegen 4.30 Uhr nachmittags werden 2 Kompagnien I. dem III. Bataillon für den Angriff unterstellt. Das II. Bataillon ist Reserve der Brigade.
Beim Nachlassen unseres Artilleriefeuers ging der Feind jeweils sofort wieder an den Höhenrand vor, besetzte seine Gräben und feuerte lebhaft.
Schießend, kletternd und kriechend geht es langsam aufwärts. Erst spät am Abend ist der feindliche Widerstand gebrochen und die Höhe wird von den Grenadieren besetzt.
Der Kompagnieführer der 11. Kompagnie, Leutnant Reiner, schildert den Tag:
„Der Kampf um den Vagan-Berg war einer der hartnäckigsten und schwierigsten für uns im ganzen serbischen Feldzug. Das III. Bataillon des Regiments in vorderster Linie; mit 11. Kompagnie (Leutnant Reiner) und 12. Kompagnie (Hauptmann Rampacher) vorne, 9. und 10. Kompagnie in Reserve. Zuerst war die Bahnlinie Lazarevac – Arangjelovac früh morgens zu überschreiten. Dies ging glatt, die Serben waren dort in der vergan-genen Nacht ausgezogen und hatten sich auf dem Vagan- und Orlovica-Berg festgesetzt; beide Berge etwa 300 Meter höher als die Bahnlinie, mit sehr steil ansteigenden wildromantischen Schluchten. Das Gren.-Regt. 119 hatte den Vagan, das Inf.-Regt 125 den Orlovica zu nehmen. Um 10 Uhr vormittags trat die 11. Kompagnie und links die 12. Kompagnie, je in einer Schlucht vorgehend, den Vormarsch an. Durch sehr gewandte Patrouillen wurden schön gedeckte Annäherungswege erkundet. Wir mar-schierten im Steilhang in einem Bach über Felsen, Dorngestrüpp und umgefallene alte Bäume bis auf 100 Mater auf die höchste Höhe des Berges an den Feind heran; unser Weg vom Fuß bis zur Höhe war etwa 2 Kilometer lang. Einige Male hatten die Serben uns bemerkt, wir kamen in starkes Flankenfeuer. Um 2 Uhr nachmittags waren wir am Ende der Schlucht. Ein Mann war gefallen, einer verwundet. Jetzt wurde es schwierig, nur noch Hecken als Deckung. Feuer erhielten wir von vorne, von rechts und links. Auf dem Bauche bewegten wir uns in sehr großen Abständen einzeln vor. 3 Halbzüge der 11. Kompagnie feuerten nach allen Seiten auf die serbischen Stellungen. Gegen fünf Uhr hatte sich ein Zug der 11. Kompagnie ohne Verluste auf der Höhe eingegraben. Die Serben sahen die deutschen Helmspitzen und zogen unter unserem Feuer gegen 8 Uhr abends auf der ganzen Höhe aus. Die 11. und 12. Kompagnie hatten einen Keil in die serbischen Stellungen hineingetrieben. Bis 9 Uhr abends war die Höhe des Vagan von uns besetzt. In der Nacht war noch großer Jubel. Die Grenadiere hatten sich überaus tapfer benommen. Oberstleutnant Ströhlin und General v. Stein beglückwünschten an-derntags die Kompagnien persönlich. Oberstleutnant Ströhlin betonte hierbei, dieser Tag gehöre in der Regimentsgeschichte der 11. und 12. Kompagnie.““


aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

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