Dienstag, 12. April 2016

12. April 1916


„Wegen der Fliegergefahr konnte die Ablösung der Bataillone nur bei Dunkelheit erfolgen. Am Spätnachmittag, als die Sonne allmählich tiefer stand und der Abend sich herabsenkte, an trüben Tagen früher, rückten die Bataillone – die Kompagnien mit beträchtlichen Abständen – aus den Ruhequartieren ab. Bei schlechtem Wetter wurde auf der Straße nach Salomé, an „H.-St. Loup Pendu“ vorbei, über Gravelin, bei schö-nem, trockenem Wetter auf einem näheren Feldweg querfeldein marschiert. Der Weg führte über das zerstörte Dorf Illies, wo köstliche, an feine Damen erinnernde Düfte aus einer zerstörten Parfum- und Seifenfabrik in die Nase drangen, und über das große Gehöft Halpegarde, die Unterkunft unserer Infanteriepioniere, nach Klein-Ligny und der Biez-Ferme.
Hier, bei der Biez-Ferme, war der allnächtliche Sammelpunkt für alles, was an Mens-chen und Dingen in die Stellung vor wollte und sollte. Von hier aus marschierten die ablösenden Kompagnien in den langen Gräben nach vorn auf ihre Plätze, von hier aus wurden die vom Bahnhof Illies mit der Benzol-Feldbahn herangeschafften Baustoffe, die Verpflegung, Munition und Postsachen für die Stellungsbesatzung in leichten För-derbahnwagen, von Hand geschoben, bis unmittelbar hinter die vordersten Gräben verbracht. Und das war keine kleine Arbeit, häufig im feindlichen Feuer! Es wuselte aber auch nur so in den Gräben von Trupps, die die Gegenstände in Empfang nahmen und der Besatzung nach vorn brachten. Dabei schossen die Engländer mit Vorliebe gerade bei Nacht mit ihren Maschinengewehren in unser Hintergelände und streuten unsere Gräben, Förderbahnen und Straßen, ja selbst nach Kl.-Ligny und Halpegarde hinein, das Gelände ab.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 248 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1924

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