Samstag, 2. April 2016

2. April 1916


„Das Wirkungsschießen der deutschen Artillerie begann am 1. April vrm. und dauerte, allmählich sich steigernd, bis zum 2. April 5.15 nchm., dem Zeitpunkt unseres Infan-terieangriffs. Dann wurde das Feuer weiter nach rückwärts verlegt. Es muß allem nach beim Feind furchtbare Verheerung angerichtet haben.
Daß der Angriffsabschnitt, den man R. 120 zuwies, viel schwieriger war, als der für Regiment 107 links daneben, das fand Oberstleutnant Fromm eigentlich selbstver-ständlich. Umso erstaunter war er aber über den Mißerfolg bei Regiment 107. Rechts neben uns, bei einem preußischen Regiment, lagen die Verhältnisse allerdings für einen Angriff sehr ungünstig.
Ein Platz für den Angriffsaufbau unseres eigenen Regiments, der es der Sicht der feindlichen Flieger und damit dem französischen Artilleriefeuer entzogen hätte, stand nicht zur Verfügung. Das Regiment erhielt aber auf seine Bitte starken deutschen Flie-gerschutz, der verwehrte den Franzosen den Einblick in unseren Aufbau.
Hinter einem Hang, auf freiem Feld, dicht gedrängt, stellten wir uns zum Angriff bereit. Rechts das I. Bataillon mit einer Kompagnie des II. Bataillons und 4 M.-G., links das III. Bataillon, ebenfalls mit einer Kompagnie des II. Bataillons und 4 M.-G. Die 7. Kompagnie war als Läuferkette vom Panzerturm bis zum Brigadegefechtsstand verteilt, die letzte Kompagnie des II. Bataillons Regimentsreserve beim Panzerturm. Ein Batail-lon des Regiments 106, zur Verstärkung des Regiments, blieb vorläufig in der Hassoule-schlucht.
In 5 Sturmabteilungen drang Punkt 5.15 Uhr das Regiment vor, sozusagen aufge-schlossen hinter der letzten deutschen Granate. Und dieser Angriff glückte. Die noch kampffähige Besatzung der vordersten feindlichen Linie, die durch das Artilleriefeuer wenig gelitten hatte, wurde in den Unterständen überrascht und überrannt. Die Besat-zung der rückwärtigen Gräben, zermürbt durch unser schweres Feuer, leistete meist nur schwache Gegenwehr. Dagegen fand Regiment 107, das nur zögernd antrat, bei der vordersten feindlichen Linie energischen Widerstand; die Franzosen hatten über dem Zögern Zeit gehabt, sich wehrbereit zu machen. Dem Regiment rechts neben uns erging es ähnlich, wenn auch nicht ganz ebenso.
Diese Dinge äußerten bald ihre Rückwirkung auf R. 120. Das I./R. 120 nahm in schneidigem Angriff feindliche Gräben, Infanterieunterstände, alles, was im Weg stand. Es war bis zur Russenschlucht vorgedrungen und über diese hinaus bis zur Bahnlinie. Aber die beiden Reservekompagnien, 4. und 8., konnten nicht folgen. Sie mußten nach der rechten Flanke abschwenken, weil von hierher der Gegner das Regiment angriff. Das kam daher, daß aus dem Angriff des rechten Nebenregiments nichts geworden ist. Da kehrten die vordersten Teile des Bataillons wieder zurück bis an die Russenschlucht, um nicht überhaupt abgeschnitten zu werden.
Ähnlich ging es beim III. Bataillon. Es nahm die Werke vor seiner Front, wobei sich besonders Leutnant Jennewein hervortat. Er schob an dem M.-G.-Lauf vorbei zu der Scharte eines französischen Infanterieunterstandes Rauchbomben hinein, nachdem er auf allen Vieren an das Werk herangekrochen war. Darauf schlich er sich, wiederum kriechend durch einen Straßengraben an ein feindliches M.-G. im Wald heran und überwältigte den einen unverwundeten, noch dort befindlichen Bedienungsmann im Handgemenge. Aber links neben uns behielt der Gegner so ziemlich freie Hand, sein Schrägfeuer von dorther gebot dem III. Bataillon Halt. Mit jedem weiteren Schritt kam der linke Flügel mehr in Not, ja es mußten 2 Kompagnien des Verfügungsbataillons, vom Regiment 106, eingesetzt werden, um die Lücke zwischen dem linken Flügel unseres Regiments und dem rechten vom linken Nebenregiment, 107, zu verstopfen und ein nächtliches Eindringen der Franzosen hier zu verhindern.
Im Endergebnis hatte das Regiment die starken Nahverteidigungswerke südlich und südöstlich von Douaumont, ferner die ganze nördliche Hälfte des Caillettewaldes im Sturm genommen. 16 französische Offiziere, 500 Mann, waren gefangen, 8 M.-G. und 2 M.-W. erbeutet worden. Auch die blutigen Verluste des Gegners waren sehr groß. Die eigenen betrugen im ganzen 11 Offiziere und rund 340 Mann. Der Erfolg des R. 120 zeigt, was bei einem entsprechenden Vorgehen der Nebenregimenter hätte erreicht werden können.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

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