Donnerstag, 14. April 2016

14. April 1916


„Die Tätigkeit des Gegners war zuerst äußerst lebhaft. Die 15er hatten uns gewarnt, bei Tage über den Graben zu sehen. Wer das versuche, sei unrettbar verloren. Der Grund wurde uns bald klar: Bei so tadellos eingerichteter Berme mußte jeder gesehen werden, der den Kopf hinüberstreckte. Sofort wurden unregelmäßig Sandsäcke auf die Brust-wehr geworfen, besondere, geschickt verbundene Beobachtungsstellen mit weitem Gesichtsfeld eingerichtet, an geeigneter Stelle das Scherenfernrohr und an anderen Stellen Scharfschützen mit Fernrohrbüchsen aufgebaut. Da entdeckten wir bald die sehr geschickt versteckten feindlichen Schützen, schossen mehrere ab, und nun beherrschten wir die Situation. Mit Beginn der Dunkelheit begann ein Kampf mit Gewehrgranaten und unaufhörliches rasendes Feuer, besonders mit Maschinengewehren. Aber unsere Maschinengewehre waren auf dem Posten. Sie nahmen ohne Zögern jede Herausfor-derung an, feuerten unerschrocken über Bank nach der Richtung, wo das feindliche Gewehr zu vermuten war und ruhten nicht, bis sie es zum Schweigen gebracht hatten. Unangenehm waren die plötzlichen Minenüberfälle des Gegners mit Brennzündern. Aber da war gewöhnlich unsere Artillerie schnell bei der Hand. Die Verbindung mit der Infanterie funktionierte recht gut, besonders als Leutnant Heckel ein Kabel, 1½ Meter tief versenkt, bis an die vordere Linie einbaute. Infanterie- und Artilleriebeobachter waren telephonisch verbunden, teilten sich an Hand von Ansichtsskizzen ihre Beobach-tungen mit und fanden meist schnell die Standorte der feindlichen Minenwerfer heraus. Dann traten die Feldhaubitzen in Tätigkeit, und deren Schwarze B.-Z.-Granaten waren dem Gegner sehr peinlich.
Die feindliche Artillerie tat nicht allzu großen Schaden. Die Stellung bekam das übliche Schrapnellfeuer, seltener kamen 12er- oder gar 15er-Granaten. Ein schweres Kaliber von 22 cm schoß einmal nach der Pumpstation, traf aber glücklicherweise nicht.
Die feindlichen Flieger waren dagegen sehr tätig. Von unsern eigenen Fliegern sah man so gut wie gar nichts. Es war gut, daß die Ausbildung der englischen Flieger noch höchst mangelhaft war.“



aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

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