Mittwoch, 22. November 2017

22. November 1917


„Die 3. Kompagnie nahm Unterschlupf, wo wir die Nacht vorher waren. Wiederum mußte Vizefeldwebel Schumm mit unserer Gruppe den Vorposten auf dem rechten Flügel des Grates übernehmen. Wir fühlten uns ziemlich sicher und hatten nur 2 Posten ausstehen, auf dem rechten Flügel ein Mann und 10 m links davon ein leichtes Maschi-nengewehr. Die Nacht war ziemlich finster und windig, so daß man nur sehr schwer etwas hören konnte. Um Mitternacht kam das Essen und die Post (die erste in Italien), um 2 Uhr kam ich auf Posten; links beim l. M. G. standen 2 Schützen, darunter mein Landsmann Zobel, auf Posten. Nach 1 Stunde tauchte auf einmal ein Italiener vor mir auf, ich rufe ihn an, im selben Augenblick ist er verschwunden, ich schoß noch auf ihn, aber umsonst. Er war anscheinend eine Erkundungspatrouille gegen unsere Feldwache. Meine Kameraden fuhren alle erschreckt auf, konnten aber nichts feststellen. Alle legten sich wieder zur Ruhe. Es verging eine Viertelstunde, nichts rührte sich. Auch ich war der Meinung, es hätte sich einer verirrt gehabt. Auf einmal morgens 3 Uhr brach knapp vor uns ein „Uriä“ los, Leuchtkugeln stiegen auf. Vor uns standen mit aufgepflanzten Bajonetten ein Haufen Italiener. Es gelang mir noch, meine 2 Handgranaten in den feindlichen Haufen zu werfen; als ich noch mein Seitengewehr aufpflanzen wollte, schlug eine feindliche Handgranate zu uns herein und bereits die ganze Feldwache war kampfunfähig, ehe es nur recht möglich war, sich zur Gegenwehr zu setzen. Ich bekam einen Splitter an den Kopf und durch den linken Oberarm. Wir konnten uns nur durch Abspringen an einen Felsen retten und in Sicherheit bringen. Der Posten links wurde ebenso überrascht. Es gab noch eine Ladehemmung, der Schütze wurde durch drei Schüsse verwundet; so konnte ihm das l. M. G. entrissen werden. Zobel als Beischütze konnte noch ein paar Schüsse aus allernächster Nähe abgeben, dann konnte er sich auch nur durch Abspringen retten. Der Feind behielt diese Stellung auch die nächsten Tage. Es sind dort noch verschiedene von unserer Kompagnie gefallen und verwundet worden (Gebrüder Kohler und andere).“

aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933


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