Montag, 14. November 2016

14. November 1916


„Patrouille Maier (13. Nov. 1916): Wir waren knapp drei Stunden am Dorfrand von Valarii-Curpenul in Alarmstellung, als gegen 4 Uhr morgens am 13. Nov. 1916 Ober-leutnant Lieb meinen Gruppenführer, Unteroffizier Maier (einen Stuttgarter), beauf-tragte, sofort eine Patrouille mit 4 Mann zu unternehmen zwecks Feststellung des Gegners im Dorf Alexieni, eine halbe Stunde südlich Valarii, an der Susita.
Wir rückten ab, gerade nicht gern, denn wir waren noch sehr müde von den Anstreng-ungen vom Gebirge, und zwar Unteroffizier Maier als Führer und Gefreiter Fr. Fink-beiner und Züfle, Schützen Irion und Rothfuß. Nach 30 Minuten kamen wir zum Dorf Alexieni, allein so am Ortseingang einzudringen, war uns eine zu kitzliche Sache. Wir gingen deshalb am westlichen Außenrand des Dorfes neben dem Fluß langsam bis etwa zur Mitte des Dorfes vor, wo uns ein guter Flußübergang lockte, darüber zu gehen und durch die Gärten ins Dorfinnere uns nach Rumänen zu erkunden. Bald gelangten wir um Tagesanbruch auf die leere Dorfstraße; das erste Geflügel kam zu unserer Freude gerade aus den Rumänenhütten, aber das scheußliche Bellen der Hunde verriet nun, daß Fremde da waren. Wir gingen auf der Dorfstraße vor, bis wir fast am Südausgang des Dorfes anlangten. Hier stellte unser Unteroffizier nun mich und Rothfuß als Posten auf die Straße, während die andern drei Mann in die danebenstehende Hütte gingen. Auf einmal hörte ich den festen Tritt einer Marschkolonne, der Nebel lichtete sich gerade, als ich die Spitze einer heranmarschierenden rumänischen Abteilung auf 50 m sah. Sofort „Raus!“ rufend, warf ich mich mit Rothfuß auf den Boden, in Anschlag, aber wir zögerten einige Sekunden zu schießen. Inzwischen sprang Unteroffizier Maier mit den zwei Gefreiten aus der Hütte heraus. Sofort die Lage erkennend, rief er: „Marsch, marsch! Zurück!“ Die Rumänen-Kompagnie hielt jetzt, der Offizier zögerte etwas, ich sah sein Gesicht genau, er war ungeheuer erstaunt, Deutsche zu sehen. Wir aber sprangen schnell zwischen den Hütten hindurch wieder auf den westlichen Außenrand des Dorfes zu, als wir gerade in einem Garten auf ein dort in Zelten liegendes rumä-nisches Infanterie-Bataillon hineinsprangen. Einige Rumänen krochen gerade heraus, wir wünschen uns keinen guten Morgen, sie alarmierten und wir wußten nun, für uns heißt es jetzt ausreißen, rennen! Sie eröffneten nun das Feuer und sprangen mit uns und wollten uns abschneiden; wir schwärmten etwas auseinander. Unteroffizier Maier warf seine erbeutete rumänische Denkmünze weg und sagte (ich hörte es neben ihm im Rennen), sie schnappen uns oder treffen uns; wir sind verloren. Wir rannten weiter, es kam der Fluß, einen Übergang suchten wir nicht mehr, nur hinein und hindurch; bis fast an den Hals war das Wasser tief und es glückte! Die Rumänen hinter uns zögerten, wir kamen alle unversehrt wieder zur Kompagnie, gerade recht, um nach erstatteter Mel-dung in das Gefecht bei Valarii einzugreifen. Gefr. Finkbeiner und Züfle sind da sofort gefallen, Unteroffizier Maier, durch Armschuß leicht verwundet, ging ungedeckt mit heiterer Mine zurück, nach zehn Schritten sank er durch einen Herzschuß tot um.“


aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

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