Samstag, 26. November 2016

26. November 1916


„In der Gefechtsstellung waren die Verhältnisse in jenen Tagen schlechter, als je. Schon der Anmarsch war ein schweres Stück Arbeit, da es sich z. B. für die vorderste Kompagnie allein in der Bereitschaft um einen Weg von 14 km Länge handelte, so daß man bald zu Wagen und Lastautos seine Zuflucht nehmen mußte. Der Gang in die vordere Linie vollends war für schwächliche Leute oft kaum zu bewältigen. Von der Straße Fins / Rocqigny aus mußte man sich nahezu 4 km querfeldein auf völlig aufge-weichtem Ackerboden hindurchstampfen, wobei jedes natürliche Erkennungszeichen fehlte. Die beiden einzigen Ortschaften im Umkreis, Rocquigny rechts und Le Mesnil links, lagen außerhalb des Regimentsabschnitts und planlos irrten in der ersten Zeit die Ablösungen im Gelände herum, sich auf Stunden verlierend. Schließlich wurden kleine Täfelchen im Gelände ausgesteckt, welche mit leuchtender Farbe bestrichen wurden und so den Weg bezeichneten. Aber auch sie zu verfehlen, war selbst für die Läufer- und Trägertrupps, die oft mehrmals in jeder Nacht den Weg zu gehen hatten, kein großes Kunststück. Dazu kam das sehr unangenehme nächtliche Störungsschießen der engli-schen Artillerie, das beim Fehlen eines bestimmten Zieles kreuz und quer in das Gelän-de gestreut war. Besonders das Überqueren der hochgelegenen Straße Sailly / Transloy, wo oft stundenlang das Feuer nicht zur Ruhe kommen wollte, war immer ein kritischer Augenblick und meist im Laufschritt ging es auf der einen Seite hinauf, auf der andern hinunter, wobei mach einer über Granattrichter stolpernd ein unfreiwilliges Schlammbad nehmen mußte. War man endlich vorne angelangt, so kam man vom Regen in die Trau-fe, fand kaum ein trockenes Plätzchen und mühte sich 3 Tage lang ab, die Stellung sauber zu bringen. War glücklich ein Stück in Ordnung, so kam ein Regenguß und schwemmte Grabenwände und Brustwehren wieder hinweg. Dabei war der Ausbau der Stellung dringend vonnöten, da keineswegs feststand, ob der Gegner seine Angriffs-gedanken schon völlig aufgegeben hatte oder ob er sich nur eine Atempause gönnte.“



aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920

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