Montag, 21. November 2016

21. November 1916


„Wie stand es überhaupt mit der Frage der Verluste zu dieser Zeit? Auch wir hatten viel verloren, was bei der Art dieses Abwehrkampfes leider unvermeidlich war. Aber unsere Truppen hatten doch noch die volle Kraft bewahrt, dem Ansturm des Feindes standzu-halten. Wie die Verhältnisse beim Feinde lagen, darüber schreibt ein sachkundiger Bericht aus diesen Tagen ebenso treffend wie maßvoll und gerecht: „Es ist selbstver-ständlich schwer, auch nur annähernd die Verluste des Gegners in dieser blutigen Schlacht abzumessen, aber es herrscht diesmal eine seltene Einstimmigkeit in allen von dieser Front kommenden Berichten über die riesige Dezimierung, die die englischen Bataillone in den Kämpfen der letzten Tage erlitten haben. Unter anderem mag das einem Angriff so ungünstige Wetter ein Grund für diese Tatsache sein; die Ancre-schlacht ist mit Recht als eine „Schlacht im Schlamme“ bezeichnet worden. Das aufge-weichte Gelände, wo man von Granatloch zu Granatloch bei jedem Schritte tief in die einem Morast ähnliche Erde einsinkt, muß das Vorkommen der englischen Infanterie ganz außerordentlich verzögert haben und dadurch unseren sorgsam behüteten Maschi-nengewehren ein umso längeres Ziel für ihre gefürchtete Tätigkeit gegeben haben. Bei einem derartigen Einsatz von Menschenmaterial mußte die englische Heeresleitung um jeden Preis einen Sieg, ja einen Durchbruch erzwingen, wenn anders nicht die Gesamt-heit ihrer Aktion trotz des Geländegewinnes zu einer schweren Niederlage werden sollte.“ Es war in der Tat eine schwere Niederlage geworden. Sogar ein englisches Blatt, der „Observer“, schrieb über diese Lage: „Unmerklich war eine ganz veränderte Lage geschaffen worden. Der Feind hat besser als je gekämpft – so bewunderungswürdig gekämpft mit Mut und Verstand, daß wir wirklich hoffen, daß es fernerhin kein ober-flächliches Getratsch über die vermeintliche Demoralisierung und den gebrochenen Mut des Feindes geben wird. Statt gebrochen zu sein, hat sich seine Moral ganz im Gegenteil von der rauhen Erschütterung, die wir ihr zwischen Juli und Oktober versetzt haben, wieder voll erholt. Es wird für den Verband nicht nur keinen Durchbruch, noch sonst etwas derartiges dieses Jahr im Westen geben, sondern zwischen jetzt und Weihnachten wird auch keine ausgedehnte Zurücknahme der deutschen Linien zwischen Arras und Noyon stattfinden. So wird das Geringste, was man im Oktober als glänzendes und schwerwiegendes Ende des gegenwärtigen Feldzuges erhofft hatte, nicht erreicht werden.““



aus: „Der Krieg 1914/19 in Wort und Bild“ Band 2, Leipzig ohne Jahr

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