Donnerstag, 17. November 2016

17. November 1916


„Alle drei Bataillone des Regiments mit Ausnahme von 2 Kompanien des I. Bataillons waren in vorderer Linie eingesetzt. Zwischen dem I. und II. Bataillon war außerdem das II./ Landsturm 9 geblieben, das dem Regiment unterstellt wurde. Südlich der Eisenbahn lag das III. Bataillon in zwei Gruppen: die 11. und 9. Kompanie bei Jlipan, nördlich davon, durch einen Sumpf getrennt, die 10. und 12. Kompanie gegenüber dem Bahnhof Selburg.
Der am meisten hervortretende und wohl auch besonders gefährdete Teil des Regiments-abschnitts war die Stellung des II. Bataillons. Hier saß der Russe auf den beherr-schenden Preschkan-Höhen, während die Gräben des II. Bataillons auf einem kahlen Sandhügel, dem sogenannten „Olymp“ verliefen, der ungünstigerweise auch noch die sumpfige Niederung des Pixstern-Baches im Rücken hatte. Naturgemäß war diese kahle Höhe das Ziel der feindlichen Artillerie und besonders der auf den Preschkan-Höhen eingebauten Minenwerfer. Das Haupt des Olymp war deshalb recht übel zerzaust.
Fast auf der ganzen Regimentsfront war eine Annäherung an die vorderen Gräben (mit Ausnahme auf dem rechten Flügel des III. Bataillons) nur bei Nacht möglich, was für die Zufuhr von Verpflegung und Material große Schwierigkeiten mit sich brachte. Denn bei schlechtem Wetter waren die Wege fürchterlich und die Fahrzeugkolonnen um ihre nächtlichen Reisen nicht zu beneiden.
Hinter den Stellungen des Regiments lag offenes Gelände. Außer ein paar Birken- und Tannenwäldchen, die als verdeckende Masken peinlichst geschont wurden, war alles Wiese, Weideland und Sumpf, von den russischen Artilleriebeobachtern auf den überra-genden Preschkan-Höhen bequem überwacht.
Das Landschaftsbild hatte aber viel reizvolles. Man mußte lebhaft an Oberschwaben denken, mit dem wohl überhaupt Kurland vieles gemeinsam hat. Besonders die rundli-chen Kuppen mit ihrem Schopf von Birken und Buchen riefen die Erinnerung an den Südteil Schwabens wach.
Der Regimentsstab hatte seinen Wohnsitz in Rudan aufgeschlagen, einem kleinen Gehöft nahe dem Bahnhof Kallei. Der Eisenbahndamm, der von hier nach Osten führte und später die Grenze zwischen dem II. und III. Bataillon bildete, wurde zugleich als Hauptstraße benutzt, auf der sogar Fahrzeuge vorfuhren.
Der Gegner verhielt sich im allgemeinen völlig ruhig. Ab und zu bedachte er den Olymp mit ein paar Granaten und leichten Minen oder suchte er sonst irgendwo einen Unvor-sichtigen zu schrecken. Seine Gräben waren etwa 400 – 600 Meter entfernt, die Haupt-stellung lag noch weiter zurück.“



aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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