Sonntag, 15. Januar 2017

15. Januar 1917


„Auf 21. März 1916 begann die Einberufung der für Infanterie, Maschinengewehr-Kompagnien, Pioniere und Feldartillerie kriegsverwendungsfähig befundenen Leute des Jahrgangs 1897. Schüler höherer Lehranstalten dieses Jahrgangs waren zunächst noch hiervon ausgeschlossen. Auch wurden volkswirtschaftliche Interessen bei der Auswahl weitgehend berücksichtigt. Zu den Sonderwaffen zogen sich die Einberufungen dieses Jahrgangs, der 20 656 Taugliche ergab, bis zum Oktober hin. Inzwischen wurden Kriegsverwendungsfähige aller Art in der Etappe und bei heimatlichen Dienststellen zum Dienst mit der Waffe abgelöst und durch kriegsbeschädigte oder dauernd nur arbeitsverwendungsfähige (a. v.) Leute ersetzt. Eine besondere militärische Kommission für Freimachung des k. v.- und g. v.-Personals in Geschäftszimmern usw. trat in Tätigkeit. Daneben stand immer die Schwierigkeit der Beschaffung von Arbeitskräften für die Kriegswirtschaft; überall fehlten die Facharbeiter in der Heeresindustrie und waren doch dringend benötigt. Das stellvertretende Generalkommando bestimmte soge-nannte Sperr-Firmen, deren k. v.-Arbeiter nur eingezogen werden durften, wenn bis zu einer bestimmten Frist keine Zurückstellungsverfügung ergangen war.
Den Kriegsmusterungen schlossen sich regelmäßig sogenannte Nachmusterungen der bisher nur g. v. und a. v. oder zeitig g. und a. v. u. (garnison- und arbeitsverwendungs-unfähig) erklärten Wehrpflichtigen an, wobei da und dort ein nicht unerhebliches Ergebnis an K. v.-Mannschaften erzielt wurde. Von den zur ärztlichen Untersuchung vorgestellten Mannschaften war nicht selten der Versuch gemacht worden, ein Herz-leiden vorzutäuschen; zur Erregung der Herztätigkeit hatten sie unmittelbar vor der Untersuchung starke Getränke zu sich genommen oder größere Radfahrten ausgeführt. Auch die Vortäuschung von Seh- und Hörstörungen wurde gelegentlich versucht. Solche Helden wurden, jedenfalls versuchsweise, eingestellt und ärztlich beobachtet, in beson-ders krassen Fällen auch zur Strafanzeige gebracht.“


aus: „Feldverwaltung, Etappe und Ersatzformationen im Weltkrieg 1914–18“, Stuttgart 1925

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