Sonntag, 29. Januar 2017

29. Januar 1917


„Nun beginnt die Arbeit im Gefangenenlager. Vom kaum überstandenen Kampfe, von tagelangem Trommelfeuer erschöpft, ausgehungert, von Schmutz und Ungeziefer ge-plagt, werden die Gefangenen zur Arbeit getrieben. Wehe dem Säumigen, dessen rheu-matische Füße den Dienst versagen! Der Stock des Offiziers ist über ihm. Wehe denen, die sich krank melden – sie werden als Simulanten behandelt und zu Strafarbeiten bei halber Kost befohlen. In dem einen Lager ist der „Peitschen-Max“ die gefürchtetste Person. Die Leute fallen bei der Arbeit vor Schwäche um, 20 bis 30 Prozent von ihnen sind krank, sie kampieren tagelang unter freiem Himmel, dann, im Winter schon, in elenden Zelten voller Ungeziefer. Alle Beschwerden helfen nichts. Dies sei ein „Vergel-tungslager“ wird ihnen allenfalls gesagt. Oder auch: „Es ist noch nicht alles organisiert.“ Wochen und Monate später wird ihnen dieselbe Antwort. Und keine Kommission des roten Kreuzes hat jemals den Weg in diese Gefangenenlager hinter der Front gefunden.“


aus: „Schwäbisches Kriegstagbuch“, Stuttgart 1917

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