Mittwoch, 13. Juni 2018

13. Juni 1918



„Unablässig lag das feindliche Artilleriefeuer auf dem Wald. Ächzend splitterten dessen Stämme im Granathagel. Ungeheuerlich dröhnten die Einschläge. Dazwischen klatsch-ten Gewehr- und M. G.-Geschosse mit scharfem Knall gegen das Astwerk. Holz- und Eisenfetzen flogen surrend umher. Ein unbeschreibliches Gewirr von Ästen und Stäm-men sperrte den Weg.
Trotz alledem traten 10 Uhr vormittags die Stoßtrupps des I. Bataillons an und drängten, der Feuerwalze folgend, den hartnäckigen Verteidiger schrittweise zurück. Bald war jedoch die Verbindung nach rechts und links abgerissen. Unsere Patrouillen stellten fest, daß beide Nachbarn zurückgeblieben waren. Die rechts anschließende 4./211 wurde zwar auf die Höhe des Württ. Gebirgs-Regiments vorgeführt, die links angrenzende 3./218 erklärte aber, daß sie wegen schwerer Verluste zunächst nicht weiter vorgehen könne.
Dessen ungeachtet setzte Leutnant d. R. Schropp mit seiner 3. Komp. den Angriff fort und erreichte gegen 11 Uhr vormittags die Schneise, etwa 1500 m östlich La Beauve. Inzwischen waren auch die 1. und 2. Komp. unaufhaltsam gegen den Waldrand östlich Montgobert vorgestoßen. Nach letztem, verzweifeltem Widerstand des Gegners nördlich La Beauve gelang es, dort in der „2. Pariser Stellung“ einzudringen, diese ein Stück weit nach beiden Seiten aufzurollen und dann abzuriegeln. Die Stoßtrupps folgten dem weichenden Gegner bis zur großen Straße, wo sie vor dem Widerstand feindlicher Reserven Halt machen mußten. Währenddessen wurde beobachtet, wie der Gegner, offenbar überrascht durch unser schnelles Vordringen, nördlich Montgobert zurückging. Aus dem Ort selbst galoppierten französische Artilleriegespanne heraus, um die noch östlich davon stehenden Geschütze zurückzuholen. Gegen 2 Uhr nachmittags meldete Vizefeldwebel Köpcke, der Sturmtruppführer der 2. Komp., daß sich der Feind gegen den linken Flügel seines Sturmtrupps heranziehe. Allem Anschein nach war der Feind auf unserem linken Flügel infolge des Zurückhängens des Res.-Inf.-Regts. 218 noch nicht genügend erschüttert und suchte jetzt dort einen Gegenstoß anzusetzen. Sofort wurden Sicherungen vorgeschoben, denen es auch nach hartem Kampf gelang, einen starken, von Südwesten kommenden Gegner zurückzuschlagen. Nun richteten sich die Kompagnien, verstärkt durch die 2. M. G.-Komp., etwa 100 m jenseits der genommenen feindlichen Stellung zur Verteidigung ein.
Auf die Meldung von Oberleutnant Roller, daß das I. Batl. die „2. Pariser Stellung“ und damit das befohlene Tagesziel erreicht habe, folgte 2 Uhr nachmittags folgender Regi-mentsbefehl:
„I. Batl. geht über die „2. Pariser Stellung“ (dicht östlich der Straße Valsery – Ferme La Beauve) vorläufig nicht hinaus. Das Vorarbeiten des Res.-Inf.-Regts. 211 rechts und des Res.-Inf.-Regts 218 links muß abgewartet werden. Verbindung mit dem linken bzw. rechten Flügel dieser Regimenter ist zu nehmen. Patrouillen sind zur Sicherung bis über die große Straße vorzuschieben. Die eroberte Stellung ist zur Verteidigung einzurichten und zu halten. I. und II. Batl. nehmen sofort Tiefengliederung ein und sichern ihre Flanken.“
Der Gegner machte verzweifelte Versuche, das verlorene Gelände zurückzugewinnen. Seine Artillerie tat ihr Äußerstes, um uns den Aufenthalt im Walde unmöglich zu ma-chen. Vergebens. Jeder Versuch, unsere Linie zu durchbrechen, scheiterte. Die Gebirgler wichen nicht. Restlos wurde die Stellung gehalten. Aber unter schweren Opfern – 16 Tote, 86 Verwundete!“


aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

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