Freitag, 8. Juni 2018

8. Juni 1918



„Die 26. Res. Res.-Division sollte die 41. Inf.-Division  nordwestlich Bapaume ablösen. Am 6. Juni wurde das Regiment in Arleux verladen und nach Vélu geführt. Am hellen Tage fuhren die Bagagen nach Bancourt vor, um Truppenansammlungen und Angriffs-absichten vorzutäuschen. In Frémicourt standen noch Häuser, die zum Wohnen einge-richtet waren. An Mauern waren Hütten gebaut und die Kirche als Unterkunft einge-richtet.  Weithin dehnte sich das furchtbare Trichterfeld der ersten Sommeschlacht. Aber der Frühling hatte Leben über den Tod gegossen und Granatlöcher und Trümmer mit freundlichem, frischem Grün überzogen, das die Öde füllte und verschönte. In Bapaume waren die meisten Häuser vernichtet, das Rathaus wie weggeblasen. Nur die Ecke mit der typisch französischen Bedürfnisanstalt hatte die Höllenmaschine, die das Gebäude nach dem Einzug der Engländer in die Luft jagte, wie aus Ironie stehen lassen. Die Straßen waren aufgeräumt und gangbar. Biefvillers war ein riesiger Park. Das englische Barackenlager, in dem ein Ruhebataillon des Kampfregiments abgelöst werden sollte, war leer, die den Kampf im Westen noch ungewohnte Truppe ausgezogen. „Rausge-schossen!“ erklärten die Leute, als die Schwaben die Wellblechbaracken bezogen. Irles war vom Erdboden verschwunden, kaum zuerkennen, wo einst die Kirche gestanden hatte, die alte Straße überwachsen, eine neue, das Tal nach Grévillers hinaufführende angelegt. Das Schlößchen in Miraumont, wo einst der Divisionsstab gehaust hatte, war noch etwas erhalten, aber sonst das ganze Dorf vernichtet, von Pys kommend kaum mehr die Lage zu finden. In der Sandgrube am Bahnhof bei Miraumont in Fuchslöchern nisteten sich die Trägertrupps ein, um ihres mühevollen Amtes zu walten. In der Nacht vom 6./7. Juni löste das I. Batl./Res.-Reg. 119 das II./Inf.-Reg. 152 östlich Hébuterne ab. Der Feind saß am Hang vor dem Dorfe und sah tief ins Hinterland. Die eigene Linie sprang weit vor. Die württembergische 26. Inf.-Division hatte hier gestürmt und den Angriff einstellen müssen weil die rechts und links anschließenden Truppen nicht mit-gekommen waren. So ragte dieser „Schwabenbauch“, wie ihn der Soldatenwitz taufte, weit über die Linie hinaus. Hier gab es wieder einen durchlaufenden Graben, in dem man sich auch tags bewegen konnte. Aber vier Fünftel der Truppe lagen in Kaninchen-löchern, nur wenige in alten Stollen.
Anfangs verhielt sich der Gegner ruhig, nur seine Minen waren immer unbequem und nächtliches Maschinengwehrfeuer störte Arbeit und Herankommen der Träger. Diese hatten fast übermenschliches zu leisten, als Regen einsetzte und die zahllosen Trichter in Seen, das pulverisierte Erdreich in ein zähes Schlammeer verwandelt wurde. Stunden-weit mußten sie im feindlichen Zerstörungsfeuer schwere Lasten heranschleppen, um durchnäßt und frierend in ihren Fuchslöchern bei Miraumont einige Stunden Ruhe zu finden.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

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