Sonntag, 17. Juni 2018

17. Juni 1918



„„Der Angriff auf die Stadt Reims findet nicht statt, die Division richtet sich zur Abwehr ein.“ So lautete die Ziffer 1 des Divisionsbefehls vom 16. Juni 1918. Die Kämpfe nah-men daher den Charakter des Stellungskrieges an. Die Bataillone wechselten sechstägig zwischen vorderer Linie am Petersberg und in Tinqueux und Ruhequartier in St. Thierry. Der Ausbau der Stellung trat in den Vordergrund, vor allen Dingen mußten Hindernisse vor die Front und die Gräben vertieft werden. Am Ausgang von Champigny nach Tinqueux wurden Küchen in den Steilhang eingebaut, hinter welchem sich auch der Verbandplatz und ein kleiner Kirchhof des Regiments befanden. Der Weiler Champigny mit hübschen Villen und Parks zeigte noch die Spuren einstigen Wohlstandes. In den Gärten gab es Gemüse, besonders Spargeln und neue Kartoffeln, die eine willkommene Bereicherung des Speisezettels bildeten. Der Veslegrund war mit prächtigen Bäumen bestanden, der Fluß, etwa 10 – 15 Meter breit und 2 – 3 Meter tief, hatte sumpfige Ufer. Ein besonders wichtiger und gefährdeter Punkt war die Gärtnerei bei Cinqueux, welche nur 300 Meter vom Gegner entfernt, von einer Feldwache des Regiments besetzt war. Von der Dachluke des Gärtnerhauses hielt der Posten Auslug. Der tadellos angelegte Garten lieferte Gemüse für Freund und Feind. Vom hochgelegenen Ruhequartier St. Thierry aus hatte man einen wunderbaren Blick auf die Stadt Reims und den Abschnitt des Regiments. Das Vesletal und die umliegenden Höhen waren landschaftlich von hohem Reiz. Das Regiment kannte Reims jetzt von drei Seiten, es fehlte nur noch der Süden. Am 17. Juni abends wurde das Infanterie-Regiment Nr. 475 aus seinem Ab-schnitt herausgezogen und wieder links neben dem Infanterie-Regiment Nr. 476 einge-setzt. Der Abschnitt des Infanterie-Regiments Nr. 127 mußte daher nach rechts verbrei-tert werden. Zur Verstärkung wurden 2 Kompagnien des Landsturmbataillons Braun-schweig, alte gute Bekannte von der Aisne her, und 2 Scharfschützen-Maschinenge-wehr-Kompagnien dem Regiment zugeteilt.“

aus: „Das neunte Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 127 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

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