Samstag, 2. Juni 2018

2. Juni 1918



„Nachdem die an die 1. Armee anschließende Gruppe der 7. Armee mit ihrem rechten Flügel die Marne überschritten hatte und in der Nacht vom 31. Mai auf 1. Juni das rechte Anschlußregiment 368 seine Neugliederung durchgeführt hatte, befahl die 242. Inf.-Division für den 1. Juni die Fortsetzung des Angriffs. Das Inf.-Reg. 368 war aus nordwestlicher Richtung auf Vrigny und Ormes angesetzt. Das stark befestigte Ormes sollte jedoch nicht durch die Infanterie genommen, sondern durch Artilleriefeuer niedergehalten werden. Als Angriffsziel war den Regimentern 475 und 127 zunächst die Straße Pargny – Reims gegeben; Angriffszeit war nach einstündiger Artillerievorberei-tung auf 10 Uhr vormittags festgesetzt. Zum Gelingen des Angriffs war die Niederhal-tung des in Ormes verschanzten Gegners äußerst wichtig. Acht schwere Batterien legten ihr Feuer auf das Dorf; es war jedoch nicht genügend wirksam. Kurz nach Beginn des eigenen Feuers setzte ein gewaltiges Sperrfeuer der französischen Artillerie ein; es lag vor Ormes und vor der Straße Ormes – Vorstadt Vesle. Trotzdem drang die Infanterie rasch vor; insbesondere gelang es der 10. Kompagnie unter Leutnant Kienzle, in der feindlichen Stellung sich vorzuarbeiten, obwohl sie von Ormes und von der „Schönen-Kreuz-Ferme“ her durch Maschinengewehrfeuer flankiert wurde. Der linke Flügel erreichte den Feldweg Ormes – Vorstadt Vesle. 10.30 Uhr vormittags war die Höhe von Ormes erreicht; das Angriffsziel winkte. Plötzlich, 10.40 Uhr vormittags, stieß die dem Regiment in der rechten Flanke sitzende durch das Artilleriefeuer nicht geschwächte Besatzung von Ormes zum Gegenstoß vor. Schnell wandte sich die Infanterie gegen den neuen Gegner und trieb ihn mit Hilfe der Begleitbatterien 4. und 5./Feldart.-Reg. 61 in seine Ausgangsstellung zurück. Blutig waren seine Verluste. Nun setzte aber südlich Ormes ein gewaltiges Maschinengewehrfeuer ein. Eine Fortführung des Angriffs war aussichtslos, solange die rechte Nachbardivision, die 213., nicht Vrigny und die Stel-lungen südlich der Straße Vrigny – Ormes in Besitz hatte. So stand 10.45 Uhr vormit-tags der Angriff. Der 213. Division gelang es nicht, Vrigny wegzunehmen; ihr Angriff hatte sie nur in Besitz des Nordwestrandes des Dorfes gebracht. Daher befahl 2.10 Uhr nachmittags die 242 Infanterie-Brigade Einstellung des Angriffs und Einrichtung zur Verteidigung. Infolgedessen gliederten sich die Bataillone rasch in die Tiefe; in vorder-ster Linie wurden eingesetzt: 10. Kompagnie, die die Verbindung mit dem rechts an-schließenden III. Bataillon des Inf.-Reg. 149 aufnahm, 12., 5. und 6. Kompagnie, an letztere schloß sich das Inf.-Reg. 127 an. 11. Kompagnie befand sich nördlich Thillois, 8. Kompagnie am Westhang des St. Peterbergs als Bataillonsreserven, 7. und 9. Kom-pagnie als Regimentsreserve beim Regimentsgefechtsstand südlich Champigny.
Die Nacht zum 2. Juni und dieser Tag verliefen unter heftiger beiderseitiger Artillerie-bekämpfung. Von weiteren Angriffen wurde zunächst abgesehen.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 475 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

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