Sonntag, 12. August 2018

12. August 1918



„Am 12. August hat anscheinend der Gegner seine Angriffsvorbereitungen dem Ab-schnitt gegenüber vollendet und er drückt energisch gegen die neuen Linien vor. Auf dem rechten Flügel des Regiments ist die Lage infolge der Ungunst des Geländes und der abgekämpften preußischen Anschlußtruppen besonders gefährlich. Der rechte Flügel des II. Batl. mußte, den Preußen folgend, dem feindlichen Drucke nachgeben und zurück; da trat die dort gestaffelte Res.-Komp. (6.) des. II. Batl. unter Leutn. Fetscher zum Gegenstoß an, riß die zurückgehenden Teile des Bataillons wieder nach vorne und warf den Gegner, der schon bis zur Bahnlinie vorgedrückt hatte, über die Höhe 81 (800 m westlich Chuignolles) und die Straße Proyard – Bray zurück. Ein M.-G.-Zug der 2. M.-G.-Komp., von Leutnant d. R. Gauß ohne Rücksicht auf das rasende feindliche Feuer vorgeführt, bekommt den zurückgehenden Gegner in seine Garbe und reibt ihn nahezu auf. Gleichzeitig mit diesem Flügelangriff greift der Gegner in starken Massen die Front des Regiments aus Proyard heraus an. Die dünnen Linien können dem ersten Anprall nicht stand halten, vor allem da zu dem feindlichen Artilleriefeuer auch noch das eigene auf unseren Stellungen liegt. Zudem werfen deutsche Flieger in unser Zwischengelände schwere Bomben. So von den eigenen Schwesterwaffen im Stich gelassen, ja gefährdet, wird die 7. und 8. Komp. bis zum Dorfrand Chuignolles zurück-gedrängt, und einzelne freche Engländertrupps sind schon in die Ortschaft eingedrun-gen. Da treffen die 9. und 10. Komp. der Regimentsreserve ein, die der nunmehrige Führer des III. Batl. Leutnant d. R. Reindel, in raschem Entschluß auf die gefährdete Stelle angesetzt hatte. Vereint mit der 7. und 8. Komp. werfen sie in hartem Ringen den Feind aus Chuignolles zurück, nehmen, von Leutnant d. R. Hoffmann geführt, das Bahnhofgebäude im Sturm und besetzen die alte Linie wieder. Das I. Batl. links hält in blutigen Nahkämpfen und Gegenstößen seine Stellung. Der M.-G.-Zug des Vizefeld-webels Diem der 1. M.-G.-Komp. hat sich bei dem fortgesetzten Massenangriff der Engländer vollkommen verschossen und liegt wehrlos vorne. Umpeitscht von Geschos-sen kriecht die Gewehrbedienung, das schwere M.-G. hinter sich herschleppend, zurück und als sie die fehlende Munition ergänzt haben, erkämpfen sich die Wackern ihre alte Stellung wieder und jagen dem Engländer ihren todbringenden Gruß entgegen.
Nun erkennt der Engländer, daß in der Front des Regiments seine Angriffe nutzlos sind und so versucht er es nochmals anschließend an unsern rechten Flügel bei Inf.-Regt. 13. Und wieder gelingt es ihm, vorwärts zu kommen. Wieder ist der Gegner in unsere Lini-en eingebrochen und geht von dort aus gegen Flanke und Flügel unseres Regiments vor. Die letzte Reserve des II. Batl., ein M.-G.-Zug und ein schwacher, im Bahnabschnitt zurückgehaltener Zug der 12. Komp., wirft sich entschlossen, vom Adjutanten des II. Batl., Leutnant d. R. Wider, geführt, den Zurückgehenden entgegen, reißt sie wieder nach vorwärts und wirft den Gegner in seine Ausgangsstellungen zurück.
Mit einbrechender Dämmerung beruhigt sich der Tommy und gibt seine vergeblichen Angriffe auf. Nicht einen Fuß breit Boden hat das Regiment dem Feind preisgegeben und die blutige Wallstatt zeigt von der Erbitterung, mit de auf beiden Seiten gekämpft wurde; zahllose tote Engländer liegen im Niemandsland und in unseren Stellungen; aber auch bei uns hat der Tod um sich gehauen und bittere Lücken gerissen.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

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